Von Krieg keine Rede: Auf RT News wird die Ukraine-Invasion Russlands systematisch schöngeredet. Screenshot RT News

Findet eigentlich gerade in der Ukraine ein Krieg statt? Informiert man sich über den deutschen Kanal des russischen Senders RT, gibt es die von Russland unternommene Invasion überhaupt nicht. Stattdessen folgt der bei deutschen Russland-Verstehern beliebte Kanal der Sprachregelung des Kremls: Dieser bezeichnet das einseitige Vorgehen gegen die Ukraine als „Militäroperation“, eine Beschwichtigung, die dem Zweck des Mediums untergeordnet ist: Bei „RT.DE“, geht es nicht um Information, sondern um das genaue Gegenteil: Desinformation, Verdrehung oder Beschwichtigung von zweifelsfrei feststellbaren Fakten.

Live-Bericht über die russische „Entnazifizierung“ der Ukraine

So berichtet der Sender live aus Kiew nach Russlands Verkündung der „Entmilitarisierung“ und „Entnazifizierung“ der Ukraine: Der Sender bezieht sich dabei auf eine emotionale Rede des russischen Staatschefs Wladimir Putin, der den Einmarsch russischer Truppen mit einem angeblichen Genozid an der russischstämmigen Bevölkerung der Ukraine begründete. Abstruse Nazi-Vorwürfe hatte Russland gegen das demokratisch regierte Nachbarland schon seit Jahren erhoben. Auch nach deutschem Recht habe es sich beim Einsatz der ukrainischen Armee gegen die von Moskau militärisch unterstützten Separatisten im Donbass um einen Genozid gehandelt, heißt es in einem Meinungsbeitrag dazu auf RT.

Die Ukraine, so die in RT erzählte Sichtweise, werde von einem Marionettenregime regiert, hinter der der Westen, die Nato und vor allem die USA stecke. Und nun drohe der Ukraine tatsächlich ein Krieg, so ist auf RT zu lesen, weil Truppen und Ausrüstung vom US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein „in den Ukraine-Krieg“ entsendet würden. Also doch ein Krieg? An solchen Widersprüchen halten sich RT-Fans nicht auf. Über jedes seriöse Medium kann man erfahren, dass die USA eben keine Truppen oder Ausrüstung in die Ukraine senden werden, sondern vielmehr die Einsatzbereitschaft ausschließlich innerhalb des Nato-Territoriums erhöhen.

Der Fall Lisa: RT bezeichnet Berichte über eigene Fehlinformationen als „Fake News“

RT-Fans haben wohl auch aus anderen Medien erfahren, dass Russland nicht nur von westlichen Staaten eine Invasion vorgeworfen wird. Diese unstrittige Tatsache liest sich RT folgendermaßen: Das mit Russland vermeintlich befreundete China weigere sich, die „russische Operation als Invasion zu bezeichnen.“ Tatsächlich hatte Chinas Außenamtssprecherin Hua Chunying die Invasion in einem Pressebriefing ganz und gar nicht bestritten, sondern mit Verweis auf vermeintliche „einseitige Interventionen“ der USA in Afghanistan und anderen Ländern relativiert. Huas Chef, Chinas Außenminister Wang Yi, hatte vor wenigen Tagen allerdings die territoriale Integrität der Ukraine auf der Münchner Sicherheitskonferenz festgestellt und zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts aufgerufen.

RT hat seinen Hauptsitz in Moskau. Russlands Präsident Putin wacht persönlich über den Sender, der als Gegeninformations-Medium im Kampf gegen westliche Nachrichtensender eingesetzt wird. Seit 2014 strahlt RT ein deutschsprachiges Angebot aus, doch der Sendebetrieb ist aufgrund einer fehlenden Lizenz verboten. Dennoch werden die Inhalte weiter im Internet verteilt, auch über YouTube und soziale Medien. Aufsehen erregte unter anderem die Berichterstattung über die angebliche Vergewaltigung eines deutsch-russischen Mädchens namens Lisa in Berlin im Jahre 2016, die sich als frei erfunden herausstellte. Ursprünglich hatte ein russischer Journalist des halbstaatlichen Senders Perwy kanal die Falschmeldung in die Welt gesetzt. Selbst der russische Außenminister Lawrow warf deutschen Behörden daraufhin Verschleierung von Informationen vor. Bis heute nennt RT sämtliche Berichte über die von RT verbreiteten Falschinformationen zum Fall Lisa als „Fake News“.