Auch Mikrochips aus Waschmaschinen sind beim russischen Militär als Ersatzteile für militärische Ausrüstung begehrt.
Auch Mikrochips aus Waschmaschinen sind beim russischen Militär als Ersatzteile für militärische Ausrüstung begehrt. dpa/Wolfgang Kumm

Moskau Wegen Wladimir Putins Angriffskrieg auf die Ukraine verhängte der Westen strikte Sanktionen gegen fast jeden Sektor seiner Wirtschaft. Auch die Einfuhr von Hightech-Produkten ist Russland unmöglich – zumindest auf direktem Weg!

Denn offenbar hat der Kremlchef eine Lösung gefunden, um der Armee Ersatzteile für militärische Ausrüstung wie Funkgeräte und auch für ausgefeiltere Waffen wie Raketensysteme, Kampfjets oder U-Boote zu verschaffen – aus Haushaltsgeräten!

EU-Beobachtern fiel auf, dass die Exporte von Waschmaschinen, Kühlschränken, Geschirrspülern und sogar elektrischen Milchpumpen in die Nachbarländer Russlands plötzlich überraschend stark anstiegen. Und der Handelsboom könnte auch Putins Kriegsmaschinerie helfen.

Verdächtig hoher Anstieg der Haushaltgeräte-Einfuhren nach Russland

Armenien importierte in den ersten acht Monaten des Jahres mehr Waschmaschinen aus der EU als in den letzten zwei Jahren zusammen. Kasachstan kaufte bis August europäische Kühlschränke im Wert von 21,4 Millionen Dollar, mehr als dreimal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie der Nachrichtendienst Bloomberg aus Daten der Eurostat-Datenbank der EU ermittelte.

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Kasachstans Nachfrage nach elektrischen Milchpumpen kletterte sogar um 633 Prozent im ersten Halbjahr, obwohl die Geburtenrate im Land rückläufig ist!

Viele der gelieferten Geräte werden dann nach Russland weiter verkauft. Armenien, Kasachstan und Russland gehören alle zur Eurasischen Wirtschaftsunion, es gibt zwischen den Ländern deshalb keine Zollgrenzen.

Zwar könnte ein Teil der Importe nach Russland dazu dienen, das Defizit auszugleichen, das sich durch die Sanktionen ergeben hat. Außerdem zerlegen russische Firmen die Geräte auch, um Komponenten und Halbleiter in der zivilen Fertigung zu verwenden. Doch laut EU-Beamten könnten Bauteile auch militärische Nutzung finden.

„Sogar hochentwickelte russische Waffensysteme werden oft mit Mikrochips gebaut, die in einer Reihe von kommerziellen Waren zu finden sind“, erklärt dazu James Byrne vom britischen Forschungsinstitut Royal United Services Institute (RUSI).

Von der Leyen: Russland gehen die Halbleiter aus!

Spitzenpolitiker in der EU und in den USA haben bereits öffentlich erklärt, dass Russland auf Haushaltsgeräte zurückgreift. So sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zuletzt im September, das russische Militär verwende Chips aus Geschirrspülern und Kühlschränken beim Waffenbau, weil der Armee die Halbleiter ausgehen.

Im Frühjahr hatte sich die US-Regierung ähnlich geäußert und berief sich auf Berichte über Teile, die in erbeuteten russischen Panzern in der Ukraine gefunden worden waren.

EU prüft Kriegstrümmer auf Handelswaren aus dem Westen

EU-Sprecherin Miriam Garcia Ferrer versicherte gegenüber Bloomberg, dass die Kommission die Handelsströme beobachte, um festzustellen, wo Sanktionen gegen Russland umgangen werden könnten.

Es gebe auch eine „forensische Analyse der Trümmer“ russischer Waffen im Ukraine-Krieg. Wo die EU Gegenstände identifizieren könne, die in russischen Waffen verwendet werden, erwäge sie, Handelsbeschränkungen darauf auszudehnen. Teil des letzten Sanktionspakets seien auch eine „Reihe elektronischer Komponenten“ gewesen, so Garcia Ferrer.