US-Vizepräsidentin Kamala Harris (l.) empfing Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Frühstück.  AFP/Brendan Smialowski

Es dürfte der letzte Besuch von Kanzlerin Merkel im Weißen Haus sein. Und Merkels Abschieds-Visite soll gleichzeitig einen Neuanfang in den deutsch-amerikanischen Beziehungen nach einem Tiefpunkt in der Ära Donald Trump markieren.

Doch mit der Gaspipeline Nord Stream 2, dem Umgang mit China und Russland, der bedrohlichen Lage in Afghanistan und dem Kampf gegen die Corona-Pandemie ist die Liste der Themen für den Arbeitsbesuch bei US-Präsident Joe Biden nicht nur lang – sondern in Teilen auch kontrovers.

Beim größten Streitpunkt schraubte Washington die Erwartungen schon vor den Gesprächen herunter: die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die aus Sicht der USA Europa in zu starke Abhängigkeit von russischen Energielieferungen manövrieren würde. 

Streit um Ostsee-Pipeline bleibt wohl ungelöst

Die amerikanische Seite rechnet aber gar nicht mit einer Lösung des Konflikts jetzt beim Treffen von Biden und Merkel. Eine hochrangige US-Regierungsvertreterin sagte, sie erwarte, dass Biden seine Bedenken zur Sprache bringen werde. Doch die Diskussion werde wohl kaum zu einem Ergebnis oder einer offiziellen Ankündigung führen. Dies bezweifelt auch die Kanzlerin.

Trotzdem wird es bei Merkels kniffliger Abschiedstour nicht an Bildern der Harmonie und Einigkeit fehlen. Denn gleich am Morgen traf sich Merkel mit Vize-Präsidentin Kamala Harris zum Frühstück, und später durfte sich die Kanzlerin auch über die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Johns-Hopkins-Universität (Merkels inzwischen 18. Auszeichnung) freuen.

Demonstranten fordern von Merkel, der Aussetzung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe zuzustimmen. AFP/Mandel Ngan

Dinner zu Ehren der Kanzlerin

Die Universität würdigte Merkel damit als „globale Führungspersönlichkeit von beispielloser Entschlossenheit und Integrität“. Merkel habe nicht nur Deutschland geführt, „sondern war auch ein Leuchtfeuer für die Welt in Krisenzeiten, von der großen Rezession bis zur Covid-19-Pandemie“.

Am Abend geben der US-Präsident und First Lady Jill Biden ein Abendessen zu Ehren der Kanzlerin. Daran wird nach Angaben des Weißen Hauses auch Merkels Ehemann Joachim Sauer teilnehmen.