Angela Merkel, die Unschuld vom Lande mit dem Dolch im Gewande. Foto: Kay Nietfeld/Pool/AFP

Auftritt Angela Merkel als Erklär-Bär: Sorgenvoll und nachdrücklich, aber ruhig setzte die Kanzlerin Deutschland bei einer Pressekonferenz auseinander, warum Bund und Länder uns allen im November neue Corona-Einschränkungen auferlegten. Und ganz nebenbei bewies sie, dass sie unvermittelt einen Dolch aus dem Ärmel holen kann. Damit führte sie einen Stich gegen Donald Trump.

Es war die etwas heimtückische Frage gestellt worden, für wie wichtig sie es halte, dass im Weißen Haus in Corona-Fragen die Stimme der Wissenschaft gehört wird. Merkel erklärte, sie werde auf diese verkappte Aufforderung nach einer Wahlempfehlung gegen den wissenschaftsfeindlichen Trump und für Joe Biden einen Tag vor der Wahl in den USA nicht reagieren.

Doch dann ließ sie diesen Satz los: „Ansonsten wissen Sie von mir - allein schon bei meiner Vorbildung als Physikerin -, dass ich natürlich dem wissenschaftlichen Rat Kraft zumesse und ihn auch selber benutze.“ 

Damit war alles gesagt, ohne einen Namen zu nennen. Ohne sich offen zu äußern, hatte Angela Merkel dann von hinten durch die Brust ins Auge doch eine Empfehlung ausgesprochen. 30 Jahre in der Politik und 15 Jahre als Bundeskanzlerin haben Merkel den Einsatz diplomatischer Gemeinheiten gelehrt, die mit sparsamem Gesichtsausdruck und harmlos daherkommender Attitüde vorgetragen werden.

Ob die Äußerung Merkels in Berlin irgendwo in den USA gehört, verstanden und zum erwünschten Handeln bei der Wahl führen wird, ist allerdings zu bezweifeln. Sie könnte bei einem Wahlsieg Joe Bidens aber mit zu einer Verbesserung des Verhältnisses zwischen Deutschland und den USA beitragen: „Siehst du, Joe, ich konnte nicht mehr sagen, aber zumindest das habe ich gesagt. “ Ist schon klasse.