Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Es stehen uns sehr, sehr schwere Monate bevor“ Foto:  imago images/photothek

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat laut Medienberichten eindringlich vor schwierigen Monaten wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus gewarnt. „Es stehen uns sehr, sehr schwere Monate bevor“, sagte die CDU-Politikerin demnach in einer Schaltkonferenz mit den CDU-Fraktionschefs der Bundesländer. Die Situation sei "hochdynamisch" und "dramatisch". Deutschland könne bald in eine "schwierige Lage" kommen, wenn es um Intensivbetten gehe. Schon am Mittwoch - zwei Tage früher als ursprünglich geplant - will sie mit den Ministerpräsidenten der Länder über Notmaßnahmen beraten. 

An der Runde nahm nach dpa-Informationen auch der Chef der Union-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus (CDU), teil. Über die bevorstehende Ministerpräsidentenkonferenz in dieser Woche zeigte sich Merkel besorgt. Sie habe „kein so gutes Gefühl“, sagte die Kanzlerin. „So kann es nicht weitergehen.“

Am Wochenende hatte Merkel die Bevölkerung erneut dazu aufgerufen, auf Reisen und Kontakte zu verzichten. „Das Gebot der Stunde heißt für uns alle: Kontakte reduzieren. Viel weniger Menschen treffen“, sagte sie in ihrem am Sonnabend veröffentlichten Videopodcast.

Angesichts steigender Infektionszahlen rückt eine stärker bundesweit abgestimmte Corona-Eindämmung immer mehr in den Blick. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte am Montag im ARD-"Morgenmagazin", bisher habe man regional Maßnahmen bestimmt, wie es zum Infektionsgeschehen passe. "Aber jetzt sind wir in der Tat in einer Lage, in der in ganz Deutschland die Zahlen steigen. Und deswegen ist es gut, dass wir auch noch mal bundesweit auf die Regeln gucken und überlegen, ob es noch weitere Maßnahmen geben muss." 

Saar-Regierungschef Tobias Hans (CDU) sagte im Deutschlandfunk, er glaube nicht, "dass wir noch mal eine Lockdown-Situation brauchen oder bekommen werden wie im Frühjahr". Das gelinge aber nur, "wenn wir jetzt konzertiert als Bundesländer mit dem Bund zusammen klare Maßstäbe, die für jeden transparent sind, festlegen".

Das sei sein Wunsch für die Ministerpräsidentenkonferenz. Es habe keinen Sinn, wegen einer hohen Neuinfektionszahl-Zahl in einem saarländischen Kreis einen sächsischen Kreis in den Stillstand zu bringen. Es solle aber jeder nachschauen können: "Ist dieser Landkreis rot, gelb oder grün?" - und Sicherheit haben, dass jeweils gleiche Maßnahmen gelten.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) äußerte sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in den Beratungen sehr skeptisch zum Infektionsgeschehen. Die Zahlen stiegen zu schnell, machte er laut Teilnehmerkreisen deutlich.

Die Gesundheitsämter meldeten 8685 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Montagmorgen mitteilte. Am Montag vor einer Woche hatte diese Zahl noch halb so hoch bei 4325 gelegen. Erfahrungsgemäß sind die Fallzahlen sonntags und montags niedriger, auch weil an Wochenenden weniger getestet wird. Am vergangenen Samstag war mit 14 714 Neuinfektionen ein Höchstwert seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland erreicht worden. Die Zahl der Todesfälle überstieg am Wochenende die Marke von 10 000.

In acht Bundesländern begann am Montag nach den Herbstferien wieder die Schule. Corona-Auflagen gelten vielerorts weiter oder wurden noch verschärft. So müssen in Berlin Schüler der Oberstufe sowie aller Berufsschulen und Oberstufenzentren Masken auch im Unterricht tragen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Hans-Peter Meidinger, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, er rate zu großer Vorsicht. Der Schulbetrieb sei "die größte tägliche Massenveranstaltung" mit mehr als zehn Millionen Teilnehmern.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich in der "Passauer Neuen Presse" (Montag) für einen "sehr kurzen, zeitlich eng begrenzten Teil-Lockdown" aus. "Weniger Freunde treffen, weniger Restaurantbesuche, weniger ins Kino und zu Sportveranstaltungen gehen." Noch sei der Anstieg der Infektionen einzudämmen. "Das Fenster schließt sich aber deutlich."

Merkel wird bereits am Mittwoch erneut mit den Ministerpräsidenten in einer Videokonferenz über die sich zuspitzende Entwicklung der Corona-Pandemie beraten. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Auch Seibert unterstrich, dass es eine ernsthafte Entwicklung gebe. Kontaktnachverfolgungen durch die Gesundheitsämter seien kaum mehr möglich. Die Intensivbetreuung von Corona-Patienten nehme wieder zu, die Kapazitäten nähmen entsprechend ab, machte Seibert deutlich. Vor dem digitalen Treffen der Ministerpräsidenten der Länder Ende dieser Woche wurden die Rufe nach schärferen und vor allem einheitlicheren Corona-Regeln lauter.