Rotlicht für das Nachtleben: In vielen deutschen Städten wie hier in Hannover herrscht nächtliches Ausgehverbot. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Berlin - Nach der ersten Nacht mit einer nächtlichen Corona-Ausgangssperre in weiten Teilen Deutschlands wurde die Maßnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erneut verteidigt. „Die Maßnahmen, die die Notbremse vorsieht, sind hart“, erklärte sie in ihrem Video-Podcast. Aber: „So sehr man sich wünschen würde, es gäbe weniger belastende Wege, die dritte Welle zu brechen und umzukehren – es gibt sie nicht.“ Kein Land, das es geschafft hat, die dritte Welle der Pandemie zu brechen, habe das ohne Maßnahmen wie nächtliche Ausgangsbeschränkungen erreicht.

Beim Bundesverfassungsgericht sind unterdessen stapelweise Klagen – unter anderem von Berliner Abgeordneten von SPD, FDP, Grünen und Linke – gegen die Notbremse eingegangen. Insbesondere die Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr in Gebieten mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 100 Ansteckungen auf 100.000 Einwohner über drei Tage hinweg sei weitgehend wirkungslos und unverhältnismäßig. Die Klagen wiederum stießen auf Kritik beim Verband der Intensivmediziner. Angesichts von über 1000 Toten in der abgelaufenen Woche (insgesamt sind es 81.444) finde man sie sehr bedenklich.  

Lesen Sie auch: Die Berliner Regeln >>

Die Politik wendet sich unterdessen anderen Corona-Themen zu. Am Montag werden Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder unter anderem darüber sprechen, welche Freizügigkeiten es für Geimpfte geben soll.  Das Justizministerium hat entsprechende Vorschläge gemacht, zum Beispiel, dass vollständig Immunisierte beim Einkaufen denjenigen gleichgestellt werden, die einen negativen Corona-Test vorweisen können.

Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte in einem Interview: „Wenn feststeht, dass eine Impfung nicht nur vor einer Erkrankung schützt, sondern auch die weitere Übertragung des Virus verhindern kann, muss das bei den Maßnahmen berücksichtigt werden. Das ist kein Privileg für Geimpfte, sondern ein Gebot der Verfassung.“ Zuletzt hatten mit 5,86 Millionen rund sieben Prozent der Bevölkerung zwei Injektionen bekommen, knapp 19 Millionen (annähernd 23 Prozent) mindestens eine.

Nach zehntägiger Pause wurde in den USA wieder die Impfung mit dem Vakzin von Janssen/Johnson & Johnson freigegeben. Der Nutzen, bei dem nur eine Spritze nötig ist, sei größer als das Risiko einer Thrombose. In den USA hatten nach 7,2 Millionen Injektionen 15 Patientinnen zwischen 18 und 59 Jahren ähnlich wie bei Astranzeneca eine Thrombose erlitten, drei starben.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hatte den Stoff bereits freigegeben, die EU-Kommission hat 200 Millionen Dosen bestellt, 36,7 Millionen für Deutschland. Die ersten 232.800 Dosen sollen hierzulande in Kürze ausgeliefert werden.

Damit nicht wirkungslos geimpft wird, hat die Bundesregierung Indien zum „Virusvariantengebiet“ erklärt. So soll verhindert werden, dass möglicherweise resistente Corona-Viren eingeschleppt werden. Von Montag an gilt eine weitgehende Einreisesperre aus Indien. Wer nach Deutschland heimkehrt, muss in jedem Fall 14 Tage in Quarantäne. 

Das Robert Koch-Institut berichtete Sonnabendfrüh von 286 weiteren Todesfällen und 23.392 neuen Ansteckungen binnen 24 Stunden. Die 7-Tage-Inzidenz sei leicht auf 164,4 gestiegen, der 7-Tage-R-Wert deutlicher von 1,01 auf 1,08: 100 Infizierte steckten damit 108 Menschen neu an.