Mit zusammengekniffenen Lippen saß Angela Merkel bei der Präsentation der Empfehlungen da. Sie war nicht unzufrieden mit den Ergebnissen - vor allem, weil sie mit ihren düsteren Prognosen zur Infektionsentwicklung zuletzt mehr als recht hatte.  Foto: Odd Andersen/AFP

Berlin -  Es kam wenig heraus: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte auf Verschärfungen der Maßnahmen gegen Corona gedrängt, die Ministerpräsidenten der Länder bremsten bei der Video-Schalte am Montag. Am Ende gab es nur Appelle, was die Bürger zusätzlich zum Lockdown light im November tun sollen. Das stößt auf Kritik.

Empfohlen wurde,

- dass Menschen mit Symptomen von Atemwegserkrankungen oder Verlust des Geschmackssinns zu Hause bleiben, bis die Symptome abgeklungen sind. Sie sollen ärztlichen Rat suchen und sich gegebenenfalls telefonisch krankschreiben lassen.

- Auf private Feiern vollständig verzichten.

- Private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten auf einen festen weiteren Hausstand beschränken, das schließt auch Kinder und Jugendliche in den Familien mit ein.

- Auf nicht notwendige private Reisen, Tagesausflüge und Freizeitaktivitäten mit Publikumsverkehr verzichten, desgleichen auf nicht notwendige Aufenthalte in geschlossenen Räumen mit Publikumsverkehr oder nicht notwendige Fahrten mit Bus oder Bahn.

- Ältere und anfällige Personen nur dann besuchen, wenn alle Familienmitglieder frei von jeglichen Krankheitssymptomen sind und sich in den Tagen davor keinem besonderen Risiko ausgesetzt haben.

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Am 25. November wird erneut verhandelt. Zu spät, findet SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach über die Ergebnisse: „Es war eine verlorene Gelegenheit“, man verspiele mit dem Aufschub wertvolle Zeit. Die Ergebnisse seien weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Der Bundesverband der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst dringt auf verpflichtende Regelungen. Die Verbandsvorsitzende Ute Teichert: „Den Gesundheitsämtern steht das Wasser bis zum Hals.“ 

Die Virologin Isabella Eckerle von der Uni Genf hält es für riskant, weitere Maßnahmen   zurückzustellen. „Zögerliches Vorgehen beziehungsweise Abwarten in einer Pandemie ist meistens keine gute Idee.“

Merkel (CDU) sagte, dass ihr die mit den Ministerpräsidenten getroffenen Entscheidungen zur Corona-Krise teils zu langsam getroffen werden. „Ich werde weiter der ungeduldige Teil in dieser Sache sein. “