Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender. Foto: Sven Hoppe/dpa

Berlin - Kommt er jetzt doch, der  hammerharte Lockdown? Die Zeichen mehren sich, nachdem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU)  gedrängt hatte und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Ball dankbar aufnahm: Außerplanmäßig wird es noch vor Weihnachten eine Videoschalte mit ihr und den 16 Ministerpräsidenten geben, um über verschärfte Eindämmungsmaßnahmen gegen Corona zu verhandeln. Merkel ist dafür, war mit den Beschlüssen zum im November begonnenen „Lockdown light“ von Anfang an nicht einverstanden.

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Der Druck ist erheblich. Die Infektionszahlen sinken nicht, die Zahl der Toten stieg auf fast 19.000. Immer mehr Krankenhäuser melden „Land unter“ in den Intensivstationen und Verzweiflung bei Schwestern, Pflegern und Ärzteschaft. Deshalb ist der 4. Januar, an dem Kanzlerin und Länderchefs wieder über Corona reden wollten, überholt. Laut Teilnehmern einer Video-Konferenz der Unions-Fraktion im Bundestag sagte Merkel am Montag, es werde ihr zu viel über Glühweinstände und zu wenig über die Klinikmitarbeiter geredet. Mit den bisher ergriffenen Maßnahmen komme man von den Infektionszahlen nicht herunter. Das heiße, man werde den Winter nicht ohne zusätzliche Maßnahmen durchstehen können. Dies müsse noch vor Weihnachten entschieden werden.  

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Bund und Länder hatten zuletzt vereinbart, bei Familientreffen vom 23. Dezember bis längstens 1. Januar zehn Personen plus Kinder zuzulassen. Ansonsten dürfen maximal fünf Leute aus zwei Hausständen zusammen sein.  Söders Regierung reicht das nicht. Sie will am Mittwoch den Katastrophenfall für Bayern ausrufen, wenn am Dienstag der Landtag zustimmt. Er sieht vor, dass die Kontaktlockerung nur von 23. bis 26. Dezember gilt, dass es ein Verbot von Alkoholkonsum auf der Straße und nächtliche Ausgangssperren mit einer sehr hohen Ansteckungsquote gibt, zum Beispiel in Städten wie Passau oder Landkreisen wie Regen.  

Söders Vorstoß, mit „Schlendrian“ bei den Vorkehrungen gegen Corona begründet, hat andere Ministerpräsidenten aus der Deckung gelockt, wenn bislang auch nur in Interviews. Sachsens Michael Kretschmer (CDU) kündigte „weitere Entscheidungen“ in dieser Woche an. Volker Bouffier (CDU, Hessen), hält Ausgangssperren bei 7-Tage-Inzidenzen über 200 für notwendig.  Tobias Hans (CDU, Saarland) sieht in Silvesterpartys ein zu hohes Risiko. Bodo Ramelow (Linke, Thüringen) will mit seiner Regierung am Dienstag über weitere Einschränkungen beraten. In Berlin gilt bereits, dass auch zu Weihnachten und Silvester nur fünf Erwachsene zusammenkommen dürfen. Baden-Württemberg lässt nur zwischen dem 23. und 27. Dezember mehr als fünf Erwachsene zusammenkommen.