Die große Mehrheit der Bundesbürger will staatliche Eingriffe bei den Lebensmittelpreisen.
Die große Mehrheit der Bundesbürger will staatliche Eingriffe bei den Lebensmittelpreisen. dpa/Jan Woitas

Seit Monaten schießen die Preise in Deutschland in die Höhe. Aktuell steht die Teuerungsrate in Deutschland mit 10,4 Prozent auf dem höchsten Stand seit 1951. Und neben den explodierenden Kosten für Gas und Strom drücken die Verbraucher die Lebensmittelpreise am meisten, die noch weit stärker anstiegen als die Inflation. Der Preis für Butter stieg im Vergleich zum Vorjahr um 53,5 Prozent, der für Kaffee um 24,4 Prozent, Fleisch und Fleischwaren sind 20,8 Prozent teurer.

Lesen Sie auch den Kommentar: Preisbremse für Lebensmittel? Nicht schon wieder mit der Gießkanne! >>

Kein Wunder, dass sich angesichts der Preisexplosion in Supermärkten und bei Discountern eine große Mehrheit der Verbraucher nun auch staatliche Eingriffe bei den Lebensmittelpreisen wünscht!

„Die Kundschaft erlebt die Teuerung bei Lebensmitteln als so schwerwiegend, dass sie alle Wege nutzen möchte, um wieder günstiger einkaufen zu können“, fasste die Handelsexpertin Vanessa Seip von der Unternehmensberatung Oliver Wyman das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1000 Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland zusammen.

Lesen Sie auch: Hype um Durchfall-Medikament Elotrans: Wundermittel gegen Alkohol-Kater? Apotheker schlagen Alarm! >>

Preisdeckel für Lebensmittel denkbar?

Dabei sprachen sich 91 Prozent der Befragen für staatliche Interventionen wie gesetzlich festgelegte Preisobergrenzen oder Subventionen für Lebensmittel aus. Nur neun Prozent waren der Ansicht, die Regierung solle sich aus der Preisbildung heraushalten.

Lesen Sie auch: Junge (13) stellt sich „aus Spaß“ vor Güterzug, 18-Jähriger ohne Führerschein liefert sich irre Verfolgungsjagd mit der Polizei >>

Möglicherweise inspiriert vom Tankrabatt und der Gaspreisbremse befürworteten rund die Hälfte der Befragten eine Obergrenze für Preissteigerungen je nach Produktgruppe. Ein Drittel der Befragten sahen staatlich gesetzte Preisdeckel für einen durchschnittlichen Einkaufskorb als Lösung. Immerhin noch zehn Prozent fänden es richtig, wenn Kantinenessen staatlich subventioniert würde.

Drohen bei Preisdeckeln Versorgungsengpässe?

Für viele Ökonomen sind staatliche Eingriffe und Preiskontrollen absolut tabu. Und oftmals wirken sie auch gar nicht. So musste zuletzt Ungarn den Preisdeckel für Benzin wieder zurücknehmen, weil das Land nicht mehr ausreichend mit Sprit beliefert wurde. Ein Beispiel dafür, dass es bei Preisgrenzen zu Engpässen kommt, weil Hersteller und Händler Produkte nicht mehr anbieten, wenn diese sich nicht mehr für sie rechnen.

Allerdings wurde auch die Idee der Gaspreisbremse von Fachleuten zunächst in der Luft zerrissen, und heute ist sie Realität. Denkbar wären also auch Preiskontrollen im Lebensmittelhandel, die allerdings einen Sparanreiz bieten und die Wirkungen von Angebot und Nachfrage nicht ganz ausschalten dürften.

Im Supermarkt muss man derzeit besonders genau hinschauen, viele Produkte sind extrem teuer geworden.
Im Supermarkt muss man derzeit besonders genau hinschauen, viele Produkte sind extrem teuer geworden. Imago/photothek

Dann könnte auch das durch die hohen Preise ramponierte Image des Einzelhandels wieder aufgebessert werden: Bewerteten im Jahr 2020 noch 79 Prozent aller Konsumenten die Leistung des Einzelhandels als gut oder sehr gut, rutschte der Wert binnen zwei Jahren auf 36 Prozent ab. Bereits 18 Prozent halten die Performance des Handels der Umfrage zufolge für unzureichend oder schwach.

Handelsexpertin Vanessa Seip: „Anders als in der Coronakrise, als Verbraucher ihren Händlern und deren Schutzkonzepten ein gutes Zeugnis ausgestellt haben, fühlen sie sich in Zeiten der Inflation alleingelassen.“