An der Autobahn A10 bei Mühlenbeck zeigt ein Schild die erlaubte Höchstgeschwindigkeit mit 130 Stundenkilometern an. dpa/Patrick Pleul

Wer mit dem Auto jenseits der deutschen Grenzen unterwegs ist, kennt und akzeptiert es: das Tempolimit. Mit maximal 140 km/h hat Polen außerhalb Deutschlands auf einigen Strecken das höchste Tempolimit. In anderen Ländern der EU gelten deutlich niedrigere Höchstgeschwindigkeiten: So liegt das Limit in den Niederlanden und Norwegen bei gerade einmal 100 km/h, Großbritannien erlaubt maximal 112 km/h, Portugal, Schweden, die Schweiz und Belgien gestatten 120 km/h und die übrigen EU-Staaten 130 km/h.

Nur Deutschland als große Automobilnation erlaubt sich eine Extrawurst. Zwar gibt es auf deutschen Autobahnen eine unverbindliche Richtgeschwindigkeit von 130 km/h, doch grundsätzlich gibt es überhaupt kein Limit. Rasen mit 200 km/h bleibt gestattet, obwohl alle Experten sagen: Bei solchen Geschwindigkeiten sind Autofahrer nicht mehr in der Lage, ihr Fahrzeug in einer Gefahrensituation so zu kontrollieren, dass schwere oder sogar tödliche Unfälle vermieden werden können.

57 Prozent der Deutschen wollen das Tempolimit, nur 33 sind dagegen

Dazu kommt noch ein aktueller Aspekt: Je schneller Autofahrer unterwegs sind, desto mehr Sprit fließt durch die Einspritzdüse des Verbrenners. In Zeiten des Ukraine-Krieges und exorbitanter Spritpreise ist Spritsparen eigentlich das Gebot der Stunde. Wenig überraschend ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage: Die Mehrheit der Menschen in Deutschland ist auch vor dem Hintergrund steigender Energiepreise für ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen.

In einer Befragung von YouGov äußerten sich 57 Prozent der Befragten zustimmend, 33 Prozent gaben an, gegen ein Tempolimit zu sein. Zehn Prozent waren unschlüssig. Frauen sind der Umfrage zufolge eher für ein Tempolimit als Männer (62 Prozent zu 52 Prozent). Zudem sind Ältere laut Umfrage eher für eine Geschwindigkeitsbegrenzung als Jüngere. So äußerten sich in der Altersklasse der 60- bis 69-Jährigen 61 Prozent pro Tempolimit, in der Altersklasse der 18- bis 29-Jährigen waren es 47 Prozent.

Nur FDP-Anhänger wollen das Tempolimit mehrheitlich nicht

Warum gibt es dann trotzdem kein Tempolimit? Darüber gibt die YouGov-Umfrage ebenfalls Aufschluss: Die meisten Befürworter eines Tempolimits sind laut der Umfrage unter den Anhängern der Grünen (87 Prozent), gefolgt von denen der SPD (72 Prozent). Die einzige Partei, deren Anhänger das Tempolimit mehrheitlich ablehnen, ist die FDP: 52 Prozent lehnen es ab.

Die Frage des Tempolimits spielte bei den Koalitionsverhandlungen der jetzigen Bundesregierung eine entscheidende Rolle: Die FDP hatte sich kompromisslos in dieser Frage gezeigt, sodass die Grünen seinerzeit die bittere Pille schluckten, um andere ihnen wichtige Punkte voranzubringen. Die FDP stellt den Bundesverkehrsminister, Volker Wissing. Dieser hatte zuletzt selbst ein vorübergehendes Tempolimit zur Verringerung des Verbrauchs von russischem Rohöl abgelehnt – mit der eigenartigen Begründung: „So viele Schilder haben wir nicht.“ Dafür kassierte Wissing einen Shitstorm in den sozialen Medien, doch bislang überwiegt bei den Liberalen die Furcht, es sich bei besser verdienenden Wählern mit hoch motorisierten Fahrzeugen zu verscherzen.