Pendler auf dem Berliner Hauptbahnhof: 225.000 Brandenburger und 78.000 Westdeutsche arbeiten in Berlin.  Foto: imago/Carola Koserowsky

Nürnberg/Berlin - Die Zeiten sind weitgehend vorbei, dass Ostdeutsche hunderte Kilometer pendelten, um im Westen zu arbeiten.  Doch gependelt wird in Deutschland  weiter, zeigt eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). „Der Druck, im Beruf   weite Wege zum Arbeitsplatz zurück zu legen, hat in den letzten Jahren unvermindert angehalten“, sagt dazu die Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Linke). Belastungen für Gesundheit, Familie und Umwelt inklusive. „Mitte 2020 pendelten 407.927 ostdeutsche Beschäftigte in den Westen. Umgekehrt kamen aus Westdeutschland nur 177.601 Beschäftigte zum Arbeiten in den Osten.“

Allerdings sagt die Statistik nichts über die Distanzen: Vom Westen Sachsen-Anhalts nach Wolfsburg, Salzgitter oder Braunschweig brauchen viele zum Beispiel so viel Zeit für den Arbeitsweg wie mancher Berliner in seiner Stadt. Ausgeblendet wird in der Analyse der Linken auch, dass beispielsweise 120.000 Bayern in Baden-Württemberg arbeiten.

Es ist das Geld, das Menschen aus dem Osten zum Arbeiten in den Westen treibt. Ostdeutsche Vollbeschäftigte erhielten an ihrem Arbeitsort in Westdeutschland (Stand: Ende 2019) im Mittel ein Bruttoeinkommen von 3588 Euro im Monat. In Ostdeutschland als Arbeitsort lag das Medianentgelt (er liegt in der Mitte aller Einkünfte, gibt nicht den Durchschnitt an) bei 2827 Euro. Ostdeutsche Pendler in Richtung Westen verdienten somit 761 Euro oder 26,91 Prozent mehr als die diejenigen, die im Osten arbeiten.  

Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, sieht es nicht ganz so dramatisch. „Das Ost-West-Schema, das es mal gegeben hat, gibt es so nicht mehr.“  

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Für viele, die sich mit Auto, Bus oder Bahn in andere Bundesländer zur Arbeit bewegen, könnte sich das nicht auszahlen: Auch nach 45 Jahren Vollbeschäftigung droht laut einem ZDF-Bericht 2,9 Millionen Menschen eine Rente auf Grundsicherungsniveau. 2019 hatten sie ein Entgelt unterhalb des Schwellenwertes von monatlich 2050 Euro, erklärte die Regierung auf eine Linken-Anfrage ergab. Das sei nahezu jeder siebente, sagte Linksfraktionschef Dietmar Bartsch. Der Anstieg des gesetzlichen Mindestlohns von 9,35 Euro auf 9,50 Euro je Stunde sei „viel zu wenig“.  

Das Arbeitsministerium verwies darauf, dass man anhand des Ist-Einkommens 2019 nicht auf das gesamte Arbeitsleben schließen könne. Es könnte sein, dass ein Teil der 2,9 Millionen Beschäftigten künftig mehr verdient.