Eine Schutzsuchende im Frauenhaus: Corona verringerte die Aufnahmekapazitäten. Foto: dpa/Sophia Kembowski

Die sogenannte Häusliche Gewalt vornehmlich gegen Frauen und Kinder war im ersten Corona-Jahr 2020 um sechs Prozent auf fast 160.000 der Polizei bekannt gewordene Fälle gestiegen. Gleichzeitig sank die Zahl der Frauen, die Schutz in einem Frauenhaus fanden, um 6,1 Prozent auf 6614. Das ergab jetzt eine Erhebung des Vereins Frauenhaus-Koordinierung.

Corona-Schutzmaßnahmen und Aufnahmestopps wegen Infektionen sorgten für geringere Kapazitäten. Gleichzeitig blieben Frauen und Kinder länger in den Einrichtungen, weil keine Wohnungen zu finden sind – auch wegen Armut, wenn der in fast 80 Prozent der Fälle gewalttätige Ehemann oder Partner als Unterstützer wegfiel: Während des Aufenthalts stieg der Anteil der Betroffenen, die Hartz IV bezogen, von 43 auf 66 Prozent.

Schwierigkeiten macht auch die Kinderbetreuung in der Pandemie: Knapp 7700 Kinder wurden in den 182 Frauenhäusern, die Zahlen lieferten, mit ihren Müttern aufgenommen. Für 3000 von ihnen mussten die Mitarbeiterinnen Homeschooling organisieren.

Der Verein beklagt, dass je nach Trägerschaft der Frauenhäuser jede vierte Schutzsuchende die Kosten ganz oder teilweise tragen müssen. Das können von weniger als zehn bis zu 100 Euro am Tag sein. Eigene Beteiligung ist dort nötig, wo Frauenhäuser über Sozialleistungsansprüche der Frauen (mit)finanziert werden. Keinen Anspruch auf kostenfreie Unterkunft haben zum Beispiel Studentinnen oder Frauen mit Einkommen.

Insgesamt gibt es rund 370 Frauenhäuser in Deutschland. Nicht alle beteiligten sich an der Erhebung, unter anderem, weil der Aufwand für die Zahlenerfassung sehr hoch ist.