Der rechtsextreme Attentäter von Halle/S., der im Oktober zwei Passanten erschossen hatte, wurde beim Schießen gefilmt. Er war zuvor mit dem Versuch gescheitert, ein Massaker in einer Synagoge anzurichten.  Foto: ATV-Studio/AP/dpa

London - Rechtsextremistische Angriffe haben einer internationalen Studie zufolge in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. In Nordamerika, Westeuropa und Ozeanien sei die Zahl dieser Taten seit 2014 um 250 Prozent angestiegen, stellten die Forscher des jährlichen „Global Terrorism Index“ fest, den das Institute for Economics and Peace am Mittwoch in London vorstellte.

Bei den Todesopfern rechten Terrors lag der Anstieg innerhalb von fünf Jahren sogar bei über 700 Prozent. Es gebe nun so viele rechte Angriffe wie zu keinem anderen Zeitpunkt in den vergangenen 50 Jahren, schreiben die Forscher. 2019 kamen insgesamt 89 Menschen bei solchen Taten ums Leben. Dazu zählen eine Frau und ein Mann, die ein Rechtsextremist im Oktober 2019 in Halle/S. ermordete. Das Urteil gegen den Mann (28) soll im Dezember fallen.

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„Wir sehen neue terroristische Bedrohungen. Der Anstieg des Rechtsextremismus im Westen und die Verschlechterungen in der Sahel-Zone sind wesentliche Beispiele dafür“, sagte der Exekutivdirektor des Instituts, Steve Killelea. Von islamistischer Seite sehe man derzeit vermehrt Angriffe kleinerer Gruppen, die mit dem sogenannten Islamischen Staat (IS) sympathisierten - wie in der afrikanischen Sahelzone, aber auch in Europa, wie sich bei Mordanschlägen in Frankreich und zuletzt in Wien sichtbar wurde.

Es müssten Maßnahmen ergriffen werden, um terroristischen Organisationen insgesamt ihre Medienpräsenz und Finanzierung zu entziehen sowie zu verhindern, dass Menschen zu Anhängern der Bewegungen werden, schreiben die Forscher.

Insgesamt weniger Tote

Insgesamt sank die Zahl der Toten durch Terrorismus allerdings bereits das fünfte Jahr in Folge: Von 2014 bis 2019 ging sie um knapp 60 Prozent zurück – 2019 lag sie bei knapp 14.000 weltweit. Im Vergleich zu 2018 war dies ein Rückgang um 15 Prozent. Außerdem sind  weniger Länder von Terrorismus betroffen: 2019 hatten 63 Länder mindestens einen Terror-Toten zu beklagen, niedrigste Zahl seit 2013.

Islamismus noch am gefährlichsten

Obwohl die Opferzahlen durch islamistische Terrorangriffe weiterhin in den Tausenden liegen, sehen die Studienautoren einen deutlichen Rückgang. Der Einfluss und die Macht des IS im Raum Irak/Syrien sinke kontinuierlich. Das erste Mal, seit die Terrormiliz aktiv wurde, lag die Zahl ihrer Todesopfer dem Bericht zufolge 2019 bei unter 1000. Für die meisten Opfer terroristischer Angriffe sind nach wie vor die afghanischen Taliban verantwortlich.

Anhaltende Krisen und Konflikte seien die hauptsächlichen Treiber für Terrorismus. So ereigneten sich mehr als 96 Prozent der Angriffe in Ländern wie Afghanistan, Syrien, Nigeria, Somalia oder dem Jemen.