Asiatische Touristen am Brandenburger Tor in Berlin-Mitte. Foto: dpa

Eine junge Frau (25) und ihr Begleiter (31) werden an einem Samstag Ende April in der U7 von mehreren Männern belästigt. Nur weil sie asiatisch aussehen. Die Männer rufen „Happy Corona“ und schubsen den 31-Jährigen, teilt die Polizei später mit.  Seit der Coronakrise meldet der Staatsschutz ähnliche Übergriffe. In Berlin leben 165.000 Menschen mit asiatischen Wurzeln. Sie  fürchten, dass die Stimmung jetzt kippt.

Die Mutter von Benedikt Lux (38) kommt aus Südkorea, der Vater ist Deutscher, geboren wurde er in Berlin. „Rassismus gegen meine Mutter, ihre südkoreanische Community, ihre deutschkoreanischen Kinder war eigentlich nie ein Thema“, sagt der Grünen- Politiker. Häufiger und sehr merkwürdig sei für ihn das Gefühl gewesen, von der Gesellschaft als „die guten Einwanderer“ wahrgenommen zu werden.

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„Männer riefen mehrfach: Du bist Corona und Fuck China, drohten mir“

Jetzt habe sich das geändert: Die vormals „guten Einwanderer“ aus Asien seien jetzt die „Sündenböcke“, sagt Lux. „Menschen mit ostasiatischer Herkunft werden für die vermeintlichen Strapazen des Lockdowns in Haftung genommen und körperlich angegangen.“ Er selbst hat noch keine Übergriffe erlebt. Doch die Menschen reagierten auf der Straße genervter. „Die Stimmung ist klar gegen China“, so der Berliner Politiker.

Benedikt Lux (38) hat eine koreanische Mutter und einen deutschen Vater. Für die Grünen sitzt er im Berliner Abgeordnetenhaus. Foto: dpa

Der chinesische Filmemacher Popo Fan (34) erlebte einen Übergriff. Er wurde Mitte Februar in der U8 beleidigt. „Männer riefen mehrfach: Du bist Corona und Fuck China, drohten mir“, sagt er dem KURIER.  

Dem Staatsschutz in Berlin sind seit Jahresanfang  50 Attacken oder Beleidigungen im Zusammenhang mit Covid-19 bekannt. Sieben von ihnen gingen  gezielt gegen Menschen mit asiatischem Phänotyp.

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Sabine Seyb von der Opferberatungsstelle „ReachOut“ glaubt, dass die Dunkelziffer höher ist. „Wir haben  eine neue Erscheinungsform rassistischer Gewalt, bedingt durch die Pandemie. Menschen, die asiatisch gesehen werden und vorher keine Erfahrungen mit Rassismus hatten, werden jetzt angriffen“, so Seyb. Auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes meldete Dienstag 100 solcher Fälle in Deutschland. Menschen mit asiatischem Aussehen berichteten demnach, sie seien in Geschäften mit viel größerem Abstand oder gar nicht erst bedient worden. Es habe Droh-E-Mails und Hassbotschaften gegeben. Kinder seien nicht in Supermärkte gekommen.

Der chinesische Journalist Felix Lee berichtet von heftigen Erlebnissen im Freundeskreis Foto: Felix Lee

Der Journalist Felix Lee hat chinesische Eltern und wurde in Wolfsburg geboren. „In Kreuzberg, wo ich wohne, erlebe ich kaum Diskriminierung. Ich habe aber krasse Sachen von Bekannten gehört. Eine Freundin von mir bekam keinen Termin bei ihrem Hausarzt. Mit der Begründung, sie könne Menschen mit schwachem Immunsystem anstecken.“

Die Freundin von Lee war in ihrem Leben kaum in China. Geboren und aufgewachsen ist sie in der Nähe von Köln.