Migranten an der türkisch-griechischen Grenze. Foto: dpa

Pazarkule - Nach der Öffnung der türkischen Grenzen wird der Strom der Flüchtlinge in Richtung EU immer größer: Tausende harrten die Nacht bei eisigen Temperaturen unter freiem Himmel an der 212 Kilometer langen türkisch-griechischen Grenze aus, um in die EU zu gelangen. Griechenland versucht, dies um jeden Preis zu verhindern. Auf Bitten Athens schickt die EU-Grenzschutzbehörde Frontex Verstärkung, um die Menschen zurückzudrängen.

Die Flüchtlinge harren im Niemandsland aus, zwischen der Türkei und Griechenland. Sie haben provisorische Zelte mit Holz und Plastik gebaut, Kleidung soll vor dem kalten, nassen Boden schützen. Auf einem Schild steht auf Englisch „Öffnet die Grenzen, wir sterben“.

Mehr als 13.000 Migranten kamen nach UN-Angaben an der Grenze zu Griechenland an. Zuvor hatte der türkische Innenminister Süleyman Soylu behauptet, schon 78.358 Flüchtlinge seien Richtung Edirne aufgebrochen, eine türkische Provinz, die an die EU-Staaten Griechenland und Bulgarien grenzt. Bisher haben allerdings weder Sofia noch Athen massive Grenzüberschreitungen gemeldet. Die griechische Polizei drängte bislang 9600 Migranten zurück, setzten dabei Wasserwerfer und Tränengas ein. Griechenland verstärkte seine Einheiten entlang der Grenze zur Türkei, dennoch gelang es einigen Migranten, Zäune zu überwinden oder mit Schlauchbooten den Grenzfluss Evros zu überqueren. Insgesamt wurden 130 Flüchtlinge festgenommen.

Migranten überquerten den Grenzfluss Evros, um nach Griechenland zu gelangen. Foto: AP

Griechenland und Bulgarien haben unsere volle Unterstützung, twitterte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die EU sei zu weiterer Hilfe bereit, auch mit Kräften der EU-Grenzschutzagentur Frontex. Frontex hat 400 Mitarbeiter auf den griechischen Inseln und 60 weitere in Bulgarien stationiert und setzte den Grenzalarm hoch. Auf Bitten Griechenlands würden nun zusätzliche Beamte sowie Ausrüstung entsendet, sagte eine Frontex-Sprecherin. EU-Migrationskommissar Margaritis Schinas will eine Krisensitzung der EU-Innenminister einberufen.

Neben dem Druck auf die EU erhöht Ankara aber auch den Druck auf Russland. In der Operation „Frühlingsschild“ greift die Türkei weiterhin Ziele in der Provinz Idlib an. Bislang seien unter anderem zwei Kampfjets, eine Drohne der syrischen Regierung, acht Helikopter und 103 Panzer zerstört, sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar. Mehr als 2000 syrische Soldaten seien „außer Gefecht gesetzt worden“. Die Türkei steht unter Druck, weil Syriens Machthaber Baschar al-Assad mit Hilfe Russlands versucht, die letzte Rebellenhochburg Idlib unter Kontrolle zu bekommen. Seit Dezember wurden fast eine Million Menschen vertrieben, so dass in der Türkei die Zahl der Flüchtlinge weiter steigt.