Mit Masken stellten sich die Medizinstudenten Impfgegnern (l.) entgegen. dpa/Sebastian Kahnert

Sie wollten ein Zeichen gegen Corona-„Spaziergänger“ setzen und müssen jetzt böse Folgen fürchten: Medizinstudenten in Dresden hatten sich am Donnerstag schützend vor das Uniklinikum gestellt, um dort einen Corona-Protest zu verhindern. Am Ende waren sie es, die von der Polizei eingekesselt und angezeigt wurden.

22 Ordnungswidrigkeitsverfahren hat die Polizei gegen Gegendemonstranten eingeleitet. Dabei gehe es um Verstöße gegen die zu diesem Zeitpunkt geltende sächsische Corona-Verordnung, sagte ein Polizeisprecher dazu. Am Donnerstag waren nur zehn Teilnehmer bei Versammlungen erlaubt. Die Menschen, die vor dem Uniklinikum beieinander standen, hätten also dagegen verstoßen, so die Polizei über die Auflage, die von rechtsextremen Kräften organisierte „Spaziergänger“ seit Wochen in Sachsen missachten.

Protest von Studierenden als Zeichen gegen rechts

Medizinstudierende hatten sich in weißen Kitteln und mit Schildern wie „Impfen statt Schimpfen“ schützend vor das Gelände des Klinikums gestellt, weil Corona-Leugner zuvor in mehreren Telegram-Gruppen zu einem sogenannten Spaziergang in der Nähe aufgerufen hatten. Über soziale Medien hatten die Studierenden den spontanen Gegenprotest organisiert, um ein „stilles Zeichen gegen Wissenschaftsleugnung und rechte Hetze“ zu setzen. Einen größeren Aufzug der Corona-Leugner konnte die Polizei jedoch verhindern.

Gegenprotest war angemeldet und friedlich

Dass die Polizei auch die Gegendemonstranten ins Visier nahm, führte in sozialen Netzwerken zu einer Welle der Empörung. Auch die Studierenden wehrten sich, weil der Protest friedlich gewesen, kurzfristig angemeldet worden sei und sie sich mit Masken in Kleingruppen aufgestellt hätten.

Ein Polizeisprecher beharrt darauf, dass die Beamten gehalten gewesen seien, die zu diesem Zeitpunkt geltende Corona-Notfallverordnung durchzusetzen: „Unabhängig der politischen Motivation ist die Polizei an Recht und Gesetz gebunden.“ Laut Polizei war die Versammlung der Medizinstudenten nicht angezeigt.