Dieses Satellitenfoto soll ein Massengrab in Manhusch entlang einer Straße zeigen. dpa/Maxar Technologies

Wieder schockieren russische Kriegsgräuel die Welt: In der Nähe der von russischen Truppen belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine sollen Medien zufolge Satellitenbilder auf ein mögliches Massengrab hinweisen.

Dort in Manhusch sollen bis zu 9000 Tote verscharrt worden sein, schrieb der Bürgermeister von Mariupol, Wadym Bojtschenko, im Nachrichtendienst Telegram. Er warf den russischen Truppen vor, mit den Massengräbern „ihre Kriegsverbrechen verheimlichen“ zu wollen. Sie hätten die Leichen von Zivilisten aus Mariupol geschafft und in dem rund 20 Kilometer westlich gelegenen Städtchen begraben.

Russland hätte in der Stadt „das größte Kriegsverbrechen des 21. Jahrhunderts“ begangen, so Bürgermeister Bojtschenko weiter. „Der Völkermord muss gestoppt werden.“

Satelliten-Aufnahmen beweisen die Gräuel

Der US-Satellitenfotodienst Maxar verbreitete Aufnahmen, die in Manhusch mehrere ausgehobene Grabstellen zeigen sollen. Örtliche Behörden sprechen davon, dass in dem Vorort Tausende Zivilisten begraben sein sollen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte von Zehntausenden Toten in der wochenlang umkämpften Hafenstadt gesprochen.

Ein Maxar-Satellitenfoto von Manhusch, das rund 20 Kilometer westlich der Hafenstadt Mariupol liegt, soll ein Massengrab in der Nähe eines Friedhofs parallel zum Straßenverlauf zeigen. Nach einem Bericht der US-Zeitung The New York Times, die die Aufnahmen nach eigenen Angaben analysiert hat, gibt es dort etwa 300 ausgehobene Grabstellen. Sie sollen innerhalb von zwei Wochen zwischen März und April angelegt worden sein, wie ein Vergleich der Aufnahmedaten gezeigt habe.

Was der Ukraine in der laufenden Großoffensive im Osten des Landes noch bevorsteht, hat ein russischer General jetzt erstmals öffentlich gemacht: Demnach will die russische Armee komplett den Donbass im Osten sowie den Süden des Landes einnehmen. Es gehe darum, einen Landweg zur Schwarzmeer-Halbinsel Krim zu sichern, sagte der amtierende Befehlshaber des zentralen Wehrbezirks, Rustam Minnekajew, am Freitag der Agentur Interfax zufolge.

Bisher hatte sich niemand aus der Militärführung so konkret zu den Zielen des Krieges geäußert.

Die Ukraine bezeichnet die Pläne Russlands als Imperialismus. „Sie verbergen ihn nicht mehr“, erklärt das Verteidigungsministerium in Kiew auf Twitter. Russland habe „bestätigt, dass das Ziel seiner ‚zweiten Phase‘ des Krieges nicht der Sieg über die mythischen Nazis ist, sondern schlicht die Besetzung der Ost- und Südukraine. Imperialismus, wie er ist.“