Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) empfahl die umstrittene Methode zur Masken-Wiederverwertung.
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Krankenhäuser, Praxen und Pflegeheime benutzen Schutzmasken mehrfach, nachdem sie auf 70 Grad erhitzt wurden. So empfiehlt es das Bundesgesundheitsministerium. Doch dadurch werden Corona-Viren nicht vollständig abgetötet, berichtet jetzt das ZDF-Magazin „Frontal 21“ unter Berufung auf ein Papier des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. Die Behörde fordert, sofort zu handeln, um Ärzte und Pfleger zu schützen.

Internes Papier warnt vor Aufbereitungs-Methode der Masken

Weil Atemschutzmasken knapp sind, hatte der Corona-Krisenstab der Bundesregierung am 1. April die Wiederverwendung von Einweg-Atemmasken erlaubt, nachdem sie mittels trockener Hitze bei 65 bis 70 Grad Celsius aufbereitet wurden. Daran halten sich etliche Kliniken, Arztpraxen, Pflegeheime und Pflegedienste.
Doch in einem internen Papier aus dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das „Frontal 21“ vorliegt, wird das Gesundheitsministerium gewarnt, dass das bisherige Aufbereitungsverfahren „nicht ausreicht, um eine vollständige Inaktivierung infektiöser Viruspartikel auf den inkubierten Masken zu erzielen“. Somit könne dieses Verfahren nicht mehr für die Dekontamination von Masken empfohlen werden.

Bundesinstitut forderte sofortigen Stopp des Verfahrens in Kliniken

Die Verfasser des Papiers fordern deshalb, das Verfahren unverzüglich zu beenden. Das Schreiben datiert laut Bericht vom 24. April. Trotzdem ist die Aufbereitung per Trockenhitze bei 70 Grad immer noch erlaubt. Auf Nachfrage von „Frontal 21“ äußerten sich die zuständigen Ministerien nicht zur umstrittenen Methode.
Das Bundesinstitut empfiehlt im internen Schreiben stattdessen, die Schutzmasken bei 90 Grad Celsius über 90 Minuten lang zu erhitzen. Dies ist unter anderem im Backofen, der Waschmaschine oder dem Kochtopf möglich.
Alternativ kann man Masken auch mehrere Minuten in einem Topf mit Wasser auskochen. Danach sollte man die Maske vollkommen trocknen lassen. Einen einfachen Behelfs-Schutz kann man auch in der Mikrowelle erhitzen und so die Viren abtöten. Aber wenn die Masken ein Stück Draht oder Metallteile beinhalten, sollte man unter keinen Umständen die Mikrowelle benutzen. Blitze oder Funkenschlag könnten die Folge sein.

Für den Medizin- und Pflege-Bereich empfehlen Expertinnen wie Anja Demnick, Geschäftsführerin einer Online-Plattform für die Aufbereitung von Medizinprodukten, dem Vorbild Österreich zu folgen. Ihrer Meinung nach ist die dort angewendete Dampfsterilisation bei 121 Grad, die Kliniken zur Sterilisation von OP-Besteck anwenden, sicher.