Stepan Latypow wurde im September 2020 in Minsk festgenommen. Jetzt versuchte er, sich umzubringen. Foto: dpa/Ulf Mauder

Im autoritär geführten Belarus hat der Suizidversuch eines politischen Gefangenen im Gerichtssaal Entsetzen ausgelöst. Stepan Latypow (41) sei „ein neues Opfer des Regimes - und mit jedem Tag werden es mehr“, schrieb Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja.

Unabhängige Medien hatten am Dienstag Videos veröffentlicht, wie Latypow am Hals blutend aus einem Minsker Gerichtsgebäude getragen wurde, er hatte sich mit einem Stift in die Kehle gestochen. Zuvor hatte er über Folter im Gefängnis berichtet. Man habe ihm gedroht, auch gegen seine Familie und Nachbarn vorzugehen, wenn er sich nicht schuldig bekenne, erzählte er verzweifelt. Mittlerweile sei sein Zustand aber stabil, er sei nicht mehr in der Klinik, heißt es.

Lesen Sie auch: Die kleinen, großen Helden von Minsk >>

Der Baumpfleger war im September 2020 festgenommen worden, als er versuchte, Sicherheitskräfte am Übermalen eines regierungskritischen Wandbilds zu hindern.

Die  Justiz wirft ihm unter anderem die Gefährdung der öffentlichen Ordnung vor. Menschenrechtler stufen ihn hingegen als politischen Gefangenen ein.  

Bei den Demonstrationen nach der als gefälscht geltenden Wiederwahl von Präsident Alexander Lukaschenko im August 2020 waren etwa 30.000 Menschen festgenommen worden. Viele sitzen bis heute in Haft. Menschenrechtler berichten immer wieder über Folter.