Der Brexit war mit langen Wartezeiten für Lkw-Fahrer verbunden, die aus britischen Häfen aus aufs Festland übersetzen wollten. Oft mit leerem Fahrzeug wegen der überbordenden Zollformalitäten. PA Wire/dpa/Gareth Fuller

Es gab Häme auf dem europäischen Festland: Nach dem endgültigen Brexit Anfang des Jahres gab und gibt es wegen fehlender Lkw-Fahrer große Transport-Schwierigkeiten in Großbritannien, der Nachschub für Supermärkte stockte, Waren blieben wegen der neuen Zollvorschriften an den Häfen hängen. Doch die Zustände werfen ein Schlaglicht auf den Transport auf der Straße: Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sieht auch in Deutschland einen Versorgungskollaps heraufziehen.

Europa im Griff des Lkw-Fahrermangels

„Der grassierende Lkw-Fahrermangel hat ganz Europa fest im Griff“, sagte BGL-Chef Dirk Engelhardt. Sein Verband geht allein in Deutschland von 45.000 bis 60.000 fehlenden Fahrern aus. 30.000 Lkw-Fahrer gingen pro Jahr in den Ruhestand, doch wurden zuletzt nur 15.000 bis 20.000 Lkw-Führerscheine jährlich neu erworben. Die Lücke dürfte daher größer werden, sagte Engelhardt. Wenn nicht bald gegen den Mangel vorgegangen werde, drohe der Zusammenbruch der Versorgung.

Aufgeploppt war das Thema, weil in Großbritannien nach dem Verlassen der EU nicht nur zu wenige Fahrer vorhanden, sondern auch zu wenige Lkw unterwegs sind. Wegen der neuen Zollvorgaben verzichten viele deutsche Spediteure auf das Geschäft mit Großbritannien. Nur Unternehmen mit jahrelanger Expertise würden noch fahren, sagte  Engelhardt. Für viele Produkte sei der bürokratische Aufwand etwa bei der Warenanmeldung oder wegen Arbeitsvisa für Fahrer ist deutlich gestiegen.

Erst Grenzschließungen wegen Corona, dann der Brexit: Immer wieder gab und gibt es Nachschubprobleme für britische Supermärkte. PA Wire/dpa/Joe Giddens

In Großbritannien fehlen nach Branchenangaben bis zu 100.000 Lastwagenfahrer, unter anderem, weil Arbeitskräften aus Osteuropa seit dem Brexit die Visa zu teuer sind. Als erste Maßnahme hat die britische Regierung die Ruhezeiten gelockert - trotz scharfer Kritik der Branche. Die Regelung erhöhe lediglich den Druck auf die Fahrer, bringe aber nicht mehr Arbeitskräfte, sagte auch BGL-Chef Engelhardt.

Personalmangel bei Zoll-Spezialisten

Auch der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) berichtet von Problemen im Lieferverkehr mit Großbritannien. So fehle in Deutschland und anderen EU-Staaten sowie im Vereinigten Königreich weiterhin qualifiziertes Personal für die Zollabwicklung. Zwar hätten sich die Zollprozesse soweit eingespielt. Akut bereite der drastische Anstieg unerledigter Ausfuhrverfahren aber Probleme.

Zudem hake es beim Export über Frankreich. Grund seien technische Defizite und fehlerhafte Anwendungen des dortigen IT-Verfahrens. „Als Konsequenz erwägen deutsche Logistiker bereits die Verlagerung ihrer Verkehre über niederländische Häfen, da die dortige Exportabwicklung nicht so fehleranfällig ist“, sagte Knell.