Birkenstock – die Kultmarke wird jetzt französisch. Foto: AFP/John Macdougall

Einst als etwas altbacken verschrien, heute eine Kultmarke auch bei manchen Promis – und jetzt geht für den Sandalenhersteller Birkenstock eine Ära zu Ende. Nach 250 Jahren in Familienbesitz ist das Unternehmen aus dem rheinland-pfälzischen Linz am Rhein verkauft und wechselt in die Luxusbranche.

Denn die Marke geht mehrheitlich an die US-französische Beteiligungsgesellschaft L Catterton und die Familienholding Financière Agache des französischen Milliardärs Bernard Arnault, wie Birkenstock am Freitag mitteilte.

Der französische Milliardär Bernard Arnault wird einer der Haupteigentümer von Birkenstock. Foto: AFP/Joel Saget

Mit dem Schritt soll demnach das globale Wachstum der Marke beschleunigt werden – unter anderem „in Zukunftsmärkten“ wie China und Indien.

„Für die nächsten 250 Jahre brauchen wir Partner mit der gleichen strategischen und langfristigen Vision wie die der Familie Birkenstock“, erklärten die beiden Erben des Familienunternehmens, Christian und Alex Birkenstock, die auch künftig am Unternehmen beteiligt bleiben.

Sandalen neben Champagner und Edel-Taschen im Angebot

Die Agache-Holding der Arnault-Familie ist ein absolutes Schwergewicht in der Luxusbranche und kontrolliert unter anderem den hier weltweit führenden Konzern LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton mit weltberühmten Luxus-Labels wie die Champagner-Marke Moet & Chandon und die Edel-Taschenfirma Louis Vuitton. L Catterton ist nach Unternehmensangaben mit einem investierten Kapital von rund 23 Milliarden US-Dollar die größte globale Beteiligungsgesellschaft mit Fokus auf Konsumgüter.

Die Alsa GmbH in Görlitz produziert die Kult-Sandalen, hier wird die Grundlage von Fußbetten aus Jute ausgestanzt. Foto: dpa/Arno Burgi

Über die Details der Übernahme der Mehrheit an Birkenstock wurde nach Unternehmensangaben Stillschweigen vereinbart. Medienberichten und Analysteneinschätzungen zufolge dürfte die Unternehmensbewertung bei etwas mehr als vier Milliarden Euro liegen, wie unter anderem das Handelsblatt schrieb.

Birkenstock war im Jahr 1774 gegründet worden und war seitdem dauerhaft und vollständig in Familienbesitz. Die Firma, deren Sandalen in den vergangenen Jahrzehnten zunächst hauptsächlich im Gesundheitssektor getragen worden waren, wurden dann von der Hippie-Bewegung für sich entdeckt und sind inzwischen zum Lifestyle-Produkt avanciert.

Model Kate Moss machte Birkenstock zur Promi-Marke 

In den 1990er Jahren schlüpfte Supermodel Kate Moss für ein Fotoshooting in Birkenstocks. Bald darauf gehörten die Fußbettsandalen auch für zahlreiche Hollywoodstars zum Standardschuhwerk für den Sommer - und zahlreiche Marken von Paco Rabanne über Valentino bis hin zu Celine bringen eigene Kollektionen heraus und teils sogar auf den Laufsteg.

Produziert wird dabei nahezu ausschließlich in Deutschland. 2019 machte das Unternehmen laut Handelsblatt rund 720 Millionen Euro Umsatz bei einem Nettogewinn von 130 Millionen Euro.

Wert von Birkenstock liegt bei vier Milliarden Euro 

Bernard Arnault erklärte, Birkenstock habe sich „zu einer der wenigen ikonischen Marken in der Schuhindustrie entwickelt“. Gemeinsam solle das Unternehmen nun dabei unterstützt werden, sein großes Wachstumspotenzial „voll auszuschöpfen“.

„Wir bekommen durch die neuen Miteigentümer exzellente Marktzugänge und Kontakte in Asien und können unseren Wachstumskurs beschleunigt fortsetzen“, sagte Birkenstock-Geschäftsführer Oliver Reichert dem Handelsblatt. Alle Arbeitsplätze blieben erhalten. „Wir sind in Deutschland fest verankert und daran wird sich auch nichts ändern.“

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Der Schritt erfolgt nach Angaben von Birkenstock zu einem Zeitpunkt, an dem es dem Traditionsunternehmen wirtschaftlich so gut gehe wie nie zuvor in seiner Geschichte. Während viele Unternehmen der Branche im Kontext der Corona-Pandemie unter Druck geraten seien, habe Birkenstock zuletzt ein weiteres Rekordjahr verbucht und erst vor kurzem eine umfassende Investitionsoffensive auf den Weg gebracht, die einen Ausbau der Kapazitäten am weltweit größten Fertigungsstandort in Görlitz sowie die Stärkung der übrigen Produktionsstandorte in Deutschland umfasse.

Mit rund 4300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit – 95 Prozent davon in Deutschland – gehört Birkenstock nach eigenen Angaben zu den größten Arbeitgebern der deutschen Schuhindustrie.