Aber einer Inzidenz von 35 sollen viele Corona-Maßnahmen fallen.  Foto: imago images/Christian Ohde

Menschen sind wie Menschen sind. Wir wollen alle so gerne unsere Normalität zurück. Endlich wieder essen gehen, einfach mal ins Kino oder ein paar Tage wegfahren. Mehr muss es ja gar nicht sein. Diese Hoffnung, dieser Drang nach Freiheit liegt offenbar in unserer Natur. Und das ist ja auch gut so. Eigentlich.

Wäre da nicht dieses – entschuldigung – Scheiß-Virus! Mehr Infektionen kosten mehr Menschenleben. Mehr (nötige) Gegenmaßnahmen kosten die Wirtschaft mehr Geld. Das hat wohl inzwischen auch der Letzte begriffen. Dass die Virus-Mutationen die Lage noch einmal völlig verändert haben, ist dagegen für viele offenbar schon wieder zu kompliziert.

Es droht eine katastrophale dritte Welle

Professor Thorsten Lehr hat nüchtern ausgerechnet, was uns droht, wenn wir dem Geschrei einiger Politiker und populistischer Medien nachgeben und jetzt ganz schnell ganz viel öffnen: ein Horror-Szenario, das uns in kürzester Zeit eine katastrophale dritte Welle einhandelt.

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Zeigen wir, dass der Mensch auch lernfähig ist. Der Freiheitsdrang darf jetzt nicht unsere Hirne ausschalten. Wir riskieren ansonsten, dass wir wie schon im Oktober durch falsche Entscheidungen Zehntausende Menschenleben verlieren. Und auch den Unternehmen schaden wir mit Jojo- Öffnungen nur.

Wir müssen durchhalten

Bei diesem Pandemie-Marathon sind die letzten Kilometer wirklich die schwersten. Jetzt müssen wir einfach durchhalten.

Eine Verlängerung des Lockdowns sei den Menschen nicht zu vermitteln, sagte ein Spitzenpolitiker dieser Tage. Falsch. Vernunftbegabte Menschen verstehen das sehr genau. „There is no glory in prevention“, sagen die Amerikaner. Für Vorsichtsmaßnahmen bekommt man keinen Ruhm. Das mag sein. Und trotzdem brauchen wir sie jetzt, die Politiker mit Bedacht, die uns vor Schlimmerem bewahren.