Reihen voller Särge werden desinfiziert - Tausende starben beim verheerenden Ausbruch des Coronavirus im März 2020. Foto: imago images

Die Staatsanwaltschaft in Bergamo prüft Vorwürfe, ob während der ersten Welle der Pandemie der Lockdown in der von der Krankheit besonders betroffenen norditalienischen Stadt zu spät verhängt wurde. Dazu stellte die Polizei bei mehreren Gesundheitsbehörden Dokumente im Zusammenhang mit Ermittlungen zum Pandemie-Plan der Regierung sicher.

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Die Dokumente sollen auch Aufschluss geben, warum es so viele Tote in den Altenheimen Bergamos gab. Zeitweise waren in Bergamo so viele Menschen gestorben, dass Militär-Lastwagen die Särge aus der Stadt bringen mussten.

In Zelten wurden in Bergamo behelfsweise Krankenlager für Covid-19-Patienten geschaffen. Foto: imago images

Im Zentrum der Ermittlungen steht der Verdacht, dass der nationale Pandemie-Plan nicht auf dem neusten Stand war. Die Staatsanwaltschaft im norditalienischen Bergamo bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur Ansa.

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In Anhörungen hätten Experten der Weltgesundheitsorganisation die Ansicht vertreten, dass der seit 2020 geltende Pandemie-Plan nur die Kopie einer Arbeitshypothese aus dem Jahr 2006 gewesen sei, hieß es.

Die Vorwürfe kursieren schon länger. Eine Gruppe von Corona-Opfervertretern hatte Ende des vergangenen Jahres eine Klage gegen die Behörden landesweit und in den Regionen eingereicht. Die Gruppe warf den Behörden ebenfalls Versäumnisse in Bergamo vor. Italien verzeichnete seit Pandemiebeginn schon mehr als 80.000 Tote mit Sars-Cov-2 und mehr als 2,3 Millionen Corona-Infektionen.