Durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 fließt immer weniger Gas. dpa/Stefan Sauer

Der russische Energiekonzern Gazprom reduziert die maximalen Gasliefermengen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland erneut. Von Donnerstagfrüh an werden täglich nur noch maximal 67 Millionen Kubikmeter durch die Leitung gepumpt, kündigte Gazprom am Mittwoch an. Erneut begründete das russische Staatsunternehmen diesen Schritt mit Verzögerungen bei Reparaturarbeiten durch die Firma Siemens. Deshalb müsse eine weitere Gasverdichtungsanlage abgestellt werden, hieß es.

Gazprom schiebt die Schuld auf Siemens

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) stuft dies als politisch motiviert ein. Auch bei ihm bestehe der Eindruck, „dass das, was gestern passiert ist, eine politische Entscheidung ist, keine technisch begründbare Entscheidung“, sagte Habeck am Mittwoch in Berlin.

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Die Bundesnetzagentur wies die Angaben von Gazprom über Reparaturen wenig später zurück. „Einen kausalen Zusammenhang zwischen dem auf russischer Seite fehlenden Gaskompressor und der großen Lieferreduzierung können wir im Moment nicht bestätigen“, teilte die Gas-Aufsichtsbehörde am Mittwoch in Bonn mit.

Bereits am Dienstag hatte Gazprom die Reduktion der maximalen Liefermenge auf zunächst bis zu 100 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag verkündet. Das entspricht rund 60 Prozent des bisher geplanten Tagesvolumens von 167 Millionen Kubikmetern Gas.

Angst vor komplettem Gaslieferstopp wächst

Die erneute Drosselung der Gaslieferungen schürt neue Ängste vor einem kompletten Gaslieferstopp – was einer Studie zufolge kaum ein Unternehmen verkraften könnte. Bei einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gaben die meisten deutschen Betriebe (58 Prozent) an, sie könnten das benötigte Erdgas kurzfristig nicht ersetzen.

Bei einem Stopp russischer Gaslieferungen erwarten rund zwei Drittel der energieintensiven Betriebe, die Erdgas brauchen, deutliche Produktionseinschränkungen bis hin zu einem Stopp. Bei den nicht energieintensiven Unternehmen ist es mehr als jedes fünfte. Zwar würden die meisten Betriebe auch im Falle eines Lieferstopps weiter versorgt, aber um eine Rationierung in bestimmtem Umfang käme man zunächst nicht herum, schreiben die Autoren.

Der Umfrage zufolge sind 70 Prozent der Unternehmen von den Energiepreissprüngen seit Kriegsbeginn betroffen. 25 Prozent der Betriebe, die Vorleistungen beziehen, berichteten von Lieferengpässen.