Anfang der Woche kündigte der russische Gazprom-Konzern an, die Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 erneut deutlich zu drosseln.
Anfang der Woche kündigte der russische Gazprom-Konzern an, die Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 erneut deutlich zu drosseln. dpa/Stefan Sauer

Kremlchef Wladimir Putin hängt Deutschland weiter vom Gas ab: Wie angekündigt, schränkte Russland die Lieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 weiter ein. Seit 8 Uhr flössen 1,28 Millionen Kubikmeter pro Stunde und damit 20 Prozent der eigentlichen Kapazität durch die Röhre, teilte der deutsche Netzwerkbetreiber Gascade am Mittwoch mit. Auch der größte deutsche Gasimporteur Uniper erhält nur ein Fünftel der vereinbarten Liefermenge von dem russischen Gasriesen Gazprom.

Damit kann Deutschland jetzt im Sommer immer noch Gas einspeichern, wie der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, im Deutschlandfunk sagte. Im Herbst ändere sich die Lage aber – deswegen seien schon jetzt „alle Sparanstrengungen notwendig“.

Erste Erfolge beim Gassparen

Müller lobte erste „Einsparerfolge“: Private Haushalte und die Industrie verbrauchten „auch temperaturbereinigt fünf, sechs, sieben Prozent weniger Gas“.

Die Bundesregierung will in diesem Winter mehr Gas einsparen als die 15 Prozent, auf die sich die EU-Staaten in ihrem Gas-Notfallplan am Dienstag verständigt hatten. Vielleicht seien je nach Härte des Winters auch „16 oder 20 Prozent“ zu schaffen, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Russland macht technische Probleme im Zusammenhang mit Sanktionen verantwortlich, die der Westen nach dem Angriff auf die Ukraine gegen Moskau verhängt hatte. Die Bundesregierung hält das für vorgeschoben und sieht politische Gründe.

Nach Ansicht von Netzagentur-Chef Müller ist Gas inzwischen Teil der russischen Außenpolitik und womöglich auch Teil der Kriegsstrategie. Es sei unrealistisch anzunehmen, dass in den kommenden Wochen durch Nord Stream 1 noch 40 Prozent der möglichen Menge kämen, sagte Müller im Deutschlandfunk.

Kommt mehr Gas über die Slowakei?

Zurückhaltend äußerte sich der Behördenpräsident über Berichte, dass Russland mehr Gas über die Ukraine nach Europa liefern könnte. Dies müsse man noch verifizieren. „Da traue ich den ganzen Ankündigungen nicht, bis wir nicht ein paar Stunden in diesen Tag gesehen haben.“ Der Spiegel hatte berichtet, dass Gazprom für die Pipeline Transgas in Richtung Slowakei mehr Kapazitäten angemeldet habe.

Auch nach Angaben des Pipelinebetreibers Eugas hat Gazprom am Mittwoch deutlich mehr Kapazität für die Transgas-Leitung durch die Slowakei als in den vergangenen Tagen gebucht.

Gaspreis weiter gestiegen

Parallel zur angekündigten Drosselung der russischen Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 ist der europäische Gaspreis weiter gestiegen. Am Mittwochvormittag kletterte der Preis für eine Megawattstunde niederländischen Erdgases zur Lieferung im August im Vergleich zum Vortag um etwa 10 Prozent auf 224 Euro. Der Preis bezieht sich auf den Terminkontrakt TTF, der in Europa als Richtschnur angesehen wird.