Ein Ausflug mit dem Fahrrad ins Grüne – der beliebte Drahtesel wird im Handel Mangelware. imago

Sie sind das beste Verkehrsmittel für den Klimaschutz, doch für wahrscheinlich sehr lange Zeit könnten Fahrräder zur echten Mangelware werden. Denn im Handel werden die Lieferprobleme nach Angaben aus der Branche immer größer.

Mal fehlt es an der gewünschten Schaltung, mal an den Bremsen oder der passenden Rahmengröße in der Wunschfarbe. Vielfach können Händler noch nicht mal mehr ein Datum für die Lieferung für ein bestelltes Fahrrad fest versprechen.

Manche Modelle könnten erst mit monatelanger Verspätung ausgeliefert werden. „Einige Händler warten bis heute noch auf bis zu 40 Prozent der Räder, die sie bereits im vergangenen Jahr bestellt haben“, sagte Hans-Peter Obermark vom Verband des Deutschen Zweiradhandels (VDZ) der Funke-Mediengruppe. „Die Branche rechnet – sofern es nicht zu weiteren Lockdowns kommt – erst Ende 2024 mit einer Normalisierung des Fahrradmarktes bei weiter steigender Nachfrage.“

Höherer Preis für Fahrräder wegen gestiegener Transportkosten

Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) erwartet, dass die Preise für Fahrräder um 10 bis 15 Prozent steigen. Die Transportkosten seien „sehr deutlich angezogen. Hersteller werden sie nicht komplett an Endkunden weitergeben“, sagte der ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork. Coronabedingt seien Lieferketten unterbrochen worden. „Angesichts der Lieferengpässe werden wir in diesem Jahr wohl wieder die Umsätze und Absätze des Vorjahres erreichen.“ Große Steigerungsraten seien nicht möglich.

Fahrräder seien zwar noch verfügbar, „aber wer eine klare Vorstellung von seinem neuen Rad im Kopf hat, der muss lange warten.“ Betroffen seien alle Räderarten von Rennrädern über Mountainbikes bis zu City-Rädern, hieß es.

Die Corona-Pandemie hat der Fahrradindustrie in Deutschland bereits 2020 das beste Geschäftsjahr seit Jahrzehnten beschert. Der Absatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 16,9 Prozent auf 5,04 Millionen Fahrräder, der Umsatz kletterte sogar um 61 Prozent auf 6,44 Milliarden Euro.

Corona bescherte Fahrrad-Handel 2020 Rekord-Umsätze

Grund für das gigantische Erlösplus liegt in der höheren Nachfrage auch nach den teureren E-Bikes, die mit 1,95 Millionen Stück schon 39 Prozent des Absatzes ausmachen. Im Schnitt kostete ein Rad 1279 Euro. Europaweit legte der Fahrradumsatz um 40 Prozent auf 18,3 Milliarden Euro zu – bei 22 Millionen verkauften Rädern.

Doch Corona hat – wie in vielen anderen Industrien auch – weltweite Lieferketten unterbrochen. Zulieferbetriebe, insbesondere in Asien, müssen wegen hoher Inzidenzen immer wieder schließen, Produktionen in Malaysia und Taiwan liegen oder lagen still.

Lieferketten noch immer unterbrochen

Die Fahrradindustrie, die den Großteil ihrer Rahmen in Asien herstellen lässt, ist zudem noch von den Nachwirkungen der Havarie des Frachtschiffs „Ever Given“ im Sueskanal betroffen. Manche Produzenten hatten zahlreiche Container voller Komponenten an Bord, die bis heute für die Montage fehlen, andere hatten komplette Fahrräder darin.