Lee Yong Soo ist das „Gesicht“ einer Gruppe von Frauen vornehmlich aus Korea, die im Zweiten Weltkrieg zur Prostitution in japanischen Militärbordellen gezwungen worden waren. AP/dpa/Ahn Young-Joon

Vor dreißig Jahren ging sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. Lee Yong Soo berichtete damals, wie sie von japanischen Soldaten verschleppt, vergewaltigt und zur Sexsklavin an der Front gemacht wurde. Die Südkoreanerin hoffte auf Gerechtigkeit – darauf, dass Japan seine Schuld anerkennen und Entschädigungen zahlen würde. Doch die inzwischen 93 Jahre alte Frau wurde enttäuscht. Nun hat sie gemeinsam mit anderen Opfern einen wohl letzten Versuch gestartet.

Lee ist das Gesicht einer Gruppe von Frauen aus mehreren Ländern, die im Zweiten Weltkrieg zur Prostitution in japanischen Militärbordellen gezwungen wurden. Nach etlichen Rückschlägen in ihrem langen juristischen Kampf möchte sie nun die Regierungen von Japan und Südkorea dazu bringen, im Rahmen der Vereinten Nationen eine Einigung zu erzielen. In der vergangenen Woche übersandte die Gruppe eine Petition an UN-Menschenrechtsermittler, um die beiden Staaten zu einer gemeinsamen Anrufung des Internationalen Gerichtshofs zu bewegen.

Der letzte Versuch der Opfer

Für den Fall, dass es Tokio ablehnen sollte, den jahrzehntelangen Streit vor das Gericht in Den Haag zu bringen, fordert die von Lee angeführte Gruppe von der Regierung in Seoul, dass sie ein Schiedsverfahren vor der Antifolterkonvention der UN einleitet. Ob Südkorea einen solchen Schritt in Erwägung ziehen würde, ist allerdings unklar.

Lee will nicht warten, weil immer mehr der einstigen Opfer altersbedingt sterben. Sie fürchtet, dass die von ihr und so vielen anderen erlittenen Qualen in Vergessenheit geraten könnten. Seit Jahrzehnten wird kritisiert, dass Japan die von Zwang und Gewalt geprägten Verbrechen an den als „Trostfrauen“ bezeichneten Sexsklavinnen zu verharmlosen versucht.

Mit 16 in die Sexsklaverei verschleppt

Unter Tränen schildert Lee erneut, wie sie als 16-Jährige von zu Hause verschleppt und dann in einem Bordell in Taiwan fortlaufend von japanischen Soldaten missbraucht wurde. „Sowohl Südkorea als auch Japan warten darauf, dass wir sterben, aber ich werde bis zum Ende kämpfen“, sagt sie im Büro der Nachrichtenagentur AP in Seoul. Japan müsse die damalige Sexsklaverei als Kriegsverbrechen anerkennen und auch die eigene Bevölkerung in angemessener Weise darüber aufklären, durch Lehrbücher ebenso wie durch Mahnmale.

2020 wurde auf dem Moabiter Unionsplatz vom Korea-Verband diese „Friedensstatue“ aufgestellt, die an die Zwangprostituierten erinnert. imago/Rolf Zöllner

Der Streit um Sexsklaverei, Zwangsarbeit und andere Vergehen während der brutalen japanischen Herrschaft auf der koreanischen Halbinsel belastet seit vielen Jahren die ansonsten durchaus guten Beziehungen zwischen Tokio und Seoul. Die mit beiden Ländern verbündeten USA sehen dies mit großer Sorge. Denn angesichts der zunehmenden Herausforderungen im Umgang mit Nordkorea und China setzt Washington auf eine möglichst enge Zusammenarbeit mit allen Partnern in der Region.

Alle bilateralen diplomatischen Verhandlungen zu dem Thema blieben weitgehend erfolglos. Auch ein 2015 von den Außenministerien der beiden Staaten vorgelegtes Abkommen verfehlte das Ziel, den Streit „endgültig und unwiderruflich“ beizulegen.

Japan lehnt Entschädigungszahlungen ab

Wann immer in der jüngeren Vergangenheit Gerichtsurteile in Südkorea Entschädigungszahlungen von der japanischen Regierung oder von Unternehmen des Landes an Opfer von Sexsklaverei oder Zwangsarbeit festgelegt hatten, wurden die Forderungen von Tokio zurückgewiesen. Aus Sicht von Japan wurden alle derartigen Ansprüche mit einem Vertrag zur Normalisierung der Beziehungen im Jahr 1965 beglichen.

Historikern zufolge mussten Zehntausende Frauen aus mehreren Ländern Asiens während des Zweiten Weltkriegs den japanischen Soldaten für sexuelle Dienste zur Verfügung stehen. 2015 waren noch 46 der 239 Frauen, die bei der südkoreanischen Regierung als Opfer registriert sind, am Leben – inzwischen nur noch zwölf.