Anhänger schwenkten rote Fahnen, als die Skulptur feierlich enthüllt wurde. Foto: Caroline Seidel/dpa

Gelsenkirchen - Weltweit werden Statuen vom Sockel gestürzt - im Ruhrpott feierte dagegen eine zwei Meter hohe Lenin-Statue Einzug und sorgt für hitzige Debatten in der Stadt Gelsenkirchen (NRW). Zu dem Ereignis an einer belebten Kreuzung im Stadtteil Horst versammelten sich zahlreiche Lenin-Fans. Manche schwenkten rote Fahnen, als das Denkmal des russischen Revolutionsführers vor der Bundeszentrale der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) aufgestellt wurde. 

Die Aktion ist seit Monaten heiß umstritten. Zwei Gegen-Demonstrationen waren angekündigt und für die Stadt ist die Bronze von Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924) ohnehin ein ebenso rotes Tuch, wie das, in das die Skulptur zur Feierstunde eingehüllt war. Erfolglos hatte Gelsenkirchen zu verhindern versucht, dass mehr als 30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion Lenin im Ruhrgebiet ein Denkmal gesetzt wird. Ein erlassener Baustopp war jedoch vom Oberverwaltungsgericht NRW kassiert worden. Lenin stehe für Gewalt, Unterdrückung, Terror und schreckliches menschliches Leid, hatte die Bezirksvertretung Gelsenkirchen-West in einer Resolution festgestellt und wollte ein solches „anti-demokratisches Symbol“ nicht im Stadtbild sehen.

2,15 Meter hoch steht Lenin ab sofort vor der Parteizentrale der linksextremistischen MLPD. Foto: Caroline Seidel/dpa

Die MLPD-Vorsitzende Gabi Fechtner (42) hält Lenin dagegen für einen „weltgeschichtlich bedeutenden Vordenker und Vorkämpfer für Freiheit und Demokratie für die Massen“. Wegen der Corona-Pandemie musste die Zeremonie dann abermals verschoben werden. Ursprünglich sollte Lenin zum 150. Geburtstag des Sowjetführers am 22. April sein erstes Standbild in Westdeutschland erhalten. Nun zur nachgeholten Enthüllung der Skulptur erwartete die vom Verfassungsschutz beobachtete Partei mehr als 300 Gäste.

Lange Zeit war die Statue in einer Werkshalle untergebracht. Die Stadt Gelsenkirchen wollte die Aufstellung unbedingt verhindern. Foto: Marcel Kusch/dpa

Nachdem sie das Lenin-Denkmal nicht verhindern konnte, setzt die Stadt jetzt auf Aufklärung durch eine Ausstellung über die Geschichte des Kommunismus im benachbarten Schloss Horst und auch durch Diskussionsbeiträge, die die Bevölkerung informieren sollen. 

„Dass dieses Denkmal in Gelsenkirchen aufgestellt wird, ist nur schwer zu ertragen. Aber wir müssen nun eben damit umgehen“, hatte Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) im Vorfeld erklärt. „Es ist wirklich bizarr, nun solch ein Monument blinden Personenkultes in der Stadt zu haben.“

Eine Frau demonstriert mit einem Schild (Mein Blut, bitte!) gegen die Aufstellung der Lenin-Statue. Foto: Caroline Seidel/dpa

Die Statue wurde 1957 in der Tschechoslowakei von Vladimir Kyn Horovice gegossen. Sie ist über zwei Meter groß und wiegt 1,2 Tonnen. Kostenpunkt: 10.000 Spenden-Euro. Und vielleicht könnte Lenin schon bald Gesellschaft bekommen. Die MLPD will noch eine Marx-Statue nach Gelsenkirchen holen.

Die Figur des russischen Revolutionsführers war in ein rotes Tuch gehüllt. Foto: Caroline Seidel/dpa