Lehrer sollen sich selbst auf eine Corona-Infektion testen können. Foto: dpa/Rick Bowmer

Lehrer und Erzieher sollen sich laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) künftig auch selbst auf das Coronavirus testen dürfen: „Kitas und Schulen beziehungsweise ihre Träger können von Freitag an eigenständig Schnelltests beziehen und nutzen“, sagte Spahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. Dies bedeute, dass Lehrerinnen und Lehrer nach vorheriger Schulung „sich regelmäßig selbst testen dürfen“.

Kinder und Jugendliche besser schützen

Spahn kündigte dazu eine neue Verordnung für diesen Freitag an. Ziel sei es, die Pädagogen ebenso wie die Kinder und Jugendlichen besser vor Infektionen zu schützen. Hier stellen sich nun wichtige Fragen: Wer soll Lehrer oder Kita-Personal dafür eigentlich schulen? Wann könnte es damit losgehen? Und wie kommen die Schulen und Kitas überhaupt an die Tests, wer soll diese wo bestellen? Bisher sind diese Fragen unbeantwortet. Die konkrete Umsetzung liege in der Zuständigkeit der Bundesländer, sagte der Ministeriumssprecher.

Bislang dürfen Antigen-Schnelltests nur von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden. Neben den Selbsttests soll es auch möglich sein, dass Schulträger bei Bedarf mit geschultem Personal Tests vor Ort durchführen. In den vergangenen vier Wochen habe es wöchentlich rund 64 Corona-Ausbrüche an Schulen gegeben, hieß es.

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Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, schlug am Donnerstag vor, Hygienebeauftragte an den Schulen zu benennen, die sich dann um solche Selbsttests kümmern könnten. „Es wäre am besten, wenn ein bestimmter Lehrer zum Hygienebeauftragten ernannt würde, dieser natürlich auch entsprechend weitergebildet wird von den lokalen Behörden, um dann diese Tests sinnvoll einzusetzen.“ Dazu bedürfe es einer gewissen Kenntnis, aber das sei wirklich machbar, fügte Wieler hinzu.

Massive Warnungen vor Selbsttests kamen allerdings vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte und von der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. „Die Sensitivität sämtlicher Corona-Tests hängt ganz entscheidend von der Qualität der Abstrichentnahme ab“, erklärten die Präsidenten der beiden Verbände. „Unsachgemäß durchgeführte Testungen durch Laienhände bergen das Risiko falsch-negativer Testergebnisse“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

„Getestete Personen mit einem falsch-negativen Testergebnis erhöhen das Risiko der Ausbreitung des Coronavirus. Wenn sich jemand in Sicherheit wähnt, nicht infiziert zu sein, verhält er sich in der Regel unvorsichtiger als vor dem Test. Genau dies kann zu gefährlichen Clusterbildungen und Superspreader-Ereignissen führen“, warnten die HNO-Ärzte weiter.

Schulen können Erwartung nicht erfüllen

Wenn schon Laien für Abstrichentnahmen eingesetzt werden sollten, müssten diese zumindest zuvor „durch sachkundige Ärzte intensivst geschult werden“, drängten die Ärzte. Sinnvoller als Selbsttests sei es jedoch, Schulen so auszustatten, dass Hygienekonzepte dort überhaupt eingehalten werden könnten.

Vorbehalte äußerte auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE). Hier würden von der Politik Erwartungen geweckt, „die von den Schulen nicht eingelöst werden können, weil die notwendigen Ressourcen schlicht nicht vorhanden sind“, erklärte der Verbandsvorsitzende Udo Beckmann.

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Voraussetzung sei zumindest eine flächendeckende Ausstattung der Schulen mit Gesundheitsfachkräften, die über eine Ausbildung in Krankenpflege verfügen müssten. Der VBE wandte sich zudem strikt dagegen, dass womöglich Lehrkräfte ohne Fachausbildung Tests an Schülerinnen und Schülern vornehmen sollten.