Die Lebensmittelpreise gehen durch die Decke: Für Geringverdiener werden die Preissteigerungen existenzbedrohend. dpa

Der Gang zwischen Supermarkt-Regalen und Kühltheke versetzt immer mehr Verbraucher in Angst und Schrecken: Wer sein Geld zusammenhalten muss, gerät jetzt schon in arge Nöte. Denn längst geht es nicht mehr nur darum, dass Produkte wie Sonnenblumenöl kaum noch verfügbar ist, Mehl und andere Waren leergekauft sind. Fast sämtliche Lebensmittel von Milch über Öl bis zum Fleisch haben sich flächendeckend verteuert. Nun fordern Sozialverbände: Die Politik muss reagieren und Verbraucher entlasten.

Die Preise steigen und steigen, und Joachim Rukwied, Präsident des Bauernverbandes, rechnet damit, dass dies erst der Anfang ist: Die Düngerpreise hätten sich vervierfacht, Energiepreise seien durch die Decke gegangen, so Rukwied im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF. Damit Landwirte überhaupt noch produzieren könnten, müssten Verbraucher nun höhere Preise bezahlen.

Sozialverband VdK: Mehrwertsteuer auf null absenken

Hintergrund der Teuerungen ist der Ukraine-Krieg: Ein Großteil des weltweit verkauften Düngers stammt aus Russland, das mit schweren Sanktionen belegt ist. Viele landwirtschaftliche Produkte aus der Ukraine fallen aus, darunter auch Produkte, die zu Tierfutter verarbeitet werden. Dadurch kommt es zu heftigen Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln wie Butter und Speiseöl.

Der Sozialverband VdK warnt: Immer weniger Menschen können dies stemmen. Wie sollen Geringverdiener, Rentner, Hartz-IV-Empfänger diese Preise bezahlen? VdK-Präsidentin Verena Bentele hat deshalb eine radikale Forderung an die Politik: Die Mehrwertsteuer müsse abgesenkt werden, und zwar auf „null Prozent“, so Bentele: „Die Bundesregierung muss diese Möglichkeit, die es nun für alle EU-Mitgliedstaaten gibt, voll ausschöpfen.“

Verbände wollen gesunde Nahrungsmittel verbilligen, zuckerhaltige Getränke verteuern

Dieser Forderung schließt sich der Verbraucherzentrale Bundesverband an: Die Entlastung müsse speziell bei Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten erfolgen. Damit helfe man Haushalten mit geringem Einkommen am besten und trage gleichzeitig zu einer gesunderen Ernährung bei, als wenn pauschal sämtliche Lebensmittel verbilligt würden.

Dieser Forderung schließt sich die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) an: „Eine gesunde Ernährung darf keine Frage des Geldbeutels sein“, sagt DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer – und hat gleich einen Vorschlag zur Gegenfinanzierung bereit: „Die Hersteller überzuckerter Getränke“ müssten dafür zur Kasse gebeten werden.