Unter den Importwaren sind Kakao und Kaffee besonders klimagefährdet.  imago/Panthermedia

Kaffee, Kakao, Palmöl: Viele Erzeugnisse der Landwirtschaft aus fernen Ländern könnten schon bald sehr viel teurer werden. Denn zunehmende Dürren durch den Klimawandel bedrohen die Ernten – die Folgen bekommen auch wir zu spüren.

Bis 2050 könnten rund 44 Prozent des heutigen Imports von Kaffee, Kakao und anderen Feldfrüchte einem hohen bis sehr hohen Risiko durch Trockenheit in den Erzeugerstaaten ausgesetzt sein, warnt eine Forschergruppe der Freien Universität Amsterdam (Niederlande) im Fachjournal Nature Communications.

Importe von Kakao und Kaffee am stärksten gefährdet

Mit Auswirkungen bis nach Europa. Denn die Anfälligkeit für extreme Wetterereignisse und den Klimawandel gehe weit über Europas Grenzen hinaus, da viele seiner Wirtschaftssektoren und die Lebensmittelindustrie Rohstoffe aus weiter Ferne benötigten, schreiben die Wissenschaftler. So würden importierte Sojabohnen vor allem als Tierfutter verwendet, Palmöl für die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie und Kakao unter anderem für die Herstellung von Schokolade.

Arbeiter sortieren Kaffeebohnen in einer Kaffeeplantage am Rande von Nairobi (Kenia) dpa/XinHua/Long Lei

Andere Waren, wie Kaffee, werden in aufbereiteter Form direkt von Verbrauchern konsumiert. Weitere betrachtete Agrarprodukte sind Mais, Oliven, Sonnenblumenkerne und Zuckerrohr.

Dürren nehmen bis 2050 um 35 Prozent zu

Die Forscher nutzten für ihre Berechnungen zwei Prognosen des Weltklimarates (IPCC) für die Klimaentwicklung bis 2100. Eine ohne und eine mit deutlichen Maßnahmen des Klimaschutzes.

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Im ungünstigen Szenario wird die Schwere der Dürren an den Produktionsstandorten der Agrarimporte bis 2050 um 35 Prozent zunehmen. Dies gilt insbesondere für Importe, die aus Brasilien, Indonesien, Vietnam, Thailand, Indien, der Türkei und Honduras stammen.

Sojaernte in Brasilien: In die EU importiertes Soja wird vor allem für Tierfutter verwendet. dpa/Roberto Pera

Weniger gefährdet sind demnach Einfuhren aus Russland, Peru, Ecuador, Nigeria, Uganda und Kenia, weil sich dort der Klimawandel nicht so drastisch auswirken werde. Unter den Importwaren sind Kaffee, Kakao, Zuckerrohr, Palmöl und Sojabohnen am stärksten klimagefährdet.

Das höchste Risiko für den Ausfall von Importen aufgrund von Trockenheit im Erzeugerland besteht für 2030, danach gehe es durch den Bevölkerungsrückgang in der EU etwas zurück.

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„Die strategische Bedeutung einiger Regionen, wie Südostasien und Südamerika, wird für die EU angesichts der möglichen klimabedingten Auswirkungen auf die Wasserressourcen und der Notwendigkeit einer kontinuierlichen Versorgung mit Rohstoffen aus diesen Regionen zunehmen“, schreiben Forschungsleiter Ertug Ercin und Kollegen.

Appell an EU gegen Dürren zu investieren

Sie empfehlen der politischen Führung der EU, in die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegen Dürren zu investieren und in die Stärkung einer nachhaltigen, effizienten und gerechten Wassernutzung in den Erzeugerländern. Alternativ könnten die EU-Politik und die Landwirtschaft andere Produktionsmöglichkeiten finden, zum Beispiel lokal angebaute Futterquellen anstelle von Sojabohnen nutzen.