SPD-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach
SPD-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach AFP/Ina Fassbender

Die Maske ist aus dem Alltag der Deutschen weitestgehend verschwunden. Sinkende Corona-Inzidenzen machen möglich, was vor wenigen Wochen als verantwortungslos gegolten hätte. Die 7-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei unter 500, in Berlin deutlich darunter bei 375,6. Doch weiterhin sterben Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion: Zwölf Corona-Tote meldet Berlin am Sonnabend innerhalb eines Tages, deutschlandweit 144. Die Situation wird sich im Sommer voraussichtlich weiter entspannen, doch zum Herbst könnte die Pandemie zurückschlagen. Immer neue Varianten und Subtypen des Coronavirus erschweren exakte Vorhersagen, aber auch die bisher tödlichste Variante von Covid-19 ist noch nicht aus dem Spiel: Delta hatte die Todeszahlen in Deutschland massiv hochschnellen lassen und eine dramatische Übersterblichkeit hervorgerufen.

Lauterbach: Im Herbst könnte sowohl Omikron als auch Delta zuschlagen

Vor der Rückkehr dieser Variante warnt nun Karl Lauterbach. Der SPD-Bundesgesundheitsminister kündigte an, im Kampf gegen eine sich wieder verschärfende Situation unterschiedliche Impfstoffe zu beschaffen. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Eine Omikron-Welle im Herbst ist zwar wahrscheinlich. Aber selbst die gefährlichere Delta-Variante könnte zurückkommen“, sagte Lauterbach der Düsseldorfer Rheinischen Post (Samstagsausgabe) unter Verweis auf eine entsprechende Studie aus Israel.

Deutschland müsse sich auf beide Szenarien einstellen, sagte er. „Wir brauchen Impfstoff gegen beide Varianten. Das wird sehr teuer. Aber ein weiterer verpasster Herbst wäre für die Wirtschaft unbezahlbar.“ Die Bundesregierung rechnet im September mit einem Impfstoff gegen die Omikron-Variante.

Lauterbach beschuldigt CDU und CSU: Impflücke kann zu vermeidbaren Toten und Beschränkungen führen

Lauterbach machte der Union in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe. „Die Impfpflicht hätte alles einfacher gemacht. Die Union trägt die Schuld, wenn die Impflücke zu vermeidbaren Toten und Beschränkungen führt“, sagte er. „Ohne ihre parteitaktische Blockade wäre die Impfpflicht gekommen.“

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund rief Bund und Länder dazu auf, Vorbereitungen für eine neue Corona-Welle zu treffen. Die Impfmöglichkeiten müssten aufrechterhalten werden, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben).

Ab Montag entfällt Maskenpflicht bei EU-Flügen, doch mehrere Länder behalten Beschränkungen aufrecht

Zwar sei es nicht sinnvoll, in großem Umfang weitgehend leer stehende Impfzentren zu betreiben, sagte Landsberg. „Aber die Planung, wann man unter welchen Umständen erneut zusätzliche Impfmöglichkeiten schaffen muss, ist jetzt notwendig.“ Zugleich forderte Landsberg eine Diskussion darüber, „ob die jetzt reduzierten Möglichkeiten des Infektionsschutzgesetzes tatsächlich ausreichen“.

Eine große Herausforderung wird wohl sein, die Bevölkerung im Falle einer verschärften Pandemiesituation erneut auf Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht vorzubereiten. Ab Montag gilt bei Flügen innerhalb der EU grundsätzlich keine Maskenpflicht mehr, allerdings behalten sie mehrere Regierungen bei, unter anderem Spanien: So müssen bei Mallorca-Flügen weiterhin Corona-Schutzmasken getragen werden. Auch bei deutschen Inlandsflügen gilt die Pflicht zunächst weiter.

FDP-Verkehrsminister Wissing will Maskenpflicht im ÖPNV kippen

Unterdessen will FDP-Bundesverkehrsminister Volker Wissing die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen kippen. Städte- und Gemeindebund-Chef Landsberg sieht dies kritisch: Viele Menschen hätten sich an das Tragen von Masken gewöhnt, sagte er. „Diese Vorsichtsmaßnahmen werden wir im Herbst voraussichtlich verstärken müssen, zumal der damit verbundene Schutz nicht nur gegen eine Corona-Ansteckung, sondern auch gegen Grippeviren wirksam ist.“

Lauterbach plädierte für eine Beibehaltung der Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und in Flugzeugen auch im Sommer. „Wer jetzt den Menschen vorgaukelt, Corona sei Geschichte, wird das im Herbst bitter bereuen“, sagte Lauterbach der Rheinischen Post.