Betten gibt es genug in Deutschlands Krankenhäusern. Aber viele können wegen Personalmangels nicht belegt werden.
Betten gibt es genug in Deutschlands Krankenhäusern. Aber viele können wegen Personalmangels nicht belegt werden. dpa/Marijan Murat

Patienten in den deutschen Krankenhäusern sollen in Zukunft weniger nach wirtschaftlichen und stärker nach medizinischen Gesichtspunkten behandelt werden. Das ist das Ziel umfangreicher Reformvorschläge, die Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag in Berlin vorstellte und als „eine Revolution im System“ darstellte. „Die Medizin wird wieder in den Vordergrund der Therapie gestellt und folgt nicht der Ökonomie.“ Das dürfte das Ende der sogenannten Fallpauschalen (DRG) sein.

„Die Krankenhäuser haben gravierende Probleme“, sagte Lauterbach. Es gehe ihnen „gar nicht gut“, was sich aktuell in der Überbelegungs-Krise der Kinderkliniken wegen der massenhaften Atemwegs-Infektionen mit dem RS-Virus zeigt.

Seit 2003 wird in den Krankenhäusern über Fallpauschalen abgerechnet

Das Hauptproblem sei die Bezahlung der Kliniken über DRGs (Diagnosis Related Groups), die seit 2003 in Deutschland zur Abrechnung genutzt werden. Vorbild war Australien.

DRGs, das sind in diesem Jahre 1292 pauschale Sätze für vergleichbare Behandlungen, nach denen bezahlt wird. „Egal, wie aufwendig der Fall behandelt wird, egal, wo er behandelt wird, ob er gut behandelt wird oder nicht so gut behandelt wird“, wie Lauterbach erläuterte. Die Pflege am Bett wird seit 2020 gesondert abgerechnet.

Sie stellten die Reformvorschläge der Krankenhausfinanzierung vor (v. l.) Tom Bschor, Vorsitzender der Regierungskommission, Minister Karl Lauterbach, Christian Karagiannidis, Präsident des Intensiv- und Notfallmedizinerverbands DGIIN, Irmtraud Gürkan, Vize-Chefin des Charité-Aufsichtsrats.
Sie stellten die Reformvorschläge der Krankenhausfinanzierung vor (v. l.) Tom Bschor, Vorsitzender der Regierungskommission, Minister Karl Lauterbach, Christian Karagiannidis, Präsident des Intensiv- und Notfallmedizinerverbands DGIIN, Irmtraud Gürkan, Vize-Chefin des Charité-Aufsichtsrats. dpa/Kay Nietfeld

Krankenhäuser sollen nicht mehr möglichst viel und dafür billig behandeln

Unterm Strich lohne es sich für Kliniken, möglichst viele Behandlungen auf möglichst billige Weise durchzuführen. „Somit hat man mit diesem System eine Tendenz zu billiger Medizin.“ Gleichzeitig beklagen die Krankenhäuser, dass das System so komplex geworden sein, dass man für seine Verwendung spezielle Fachkräfte benötigt.

Den Vorschlägen einer Regierungskommission zur Krankenhausversorgung folgend, sollen die Kliniken stattdessen in Zukunft nach  neuen Kriterien honoriert werden. Die geplante Reform solle in den kommenden Jahren einen Schwerpunkt seiner Arbeit bilden, erklärte der Minister.