Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach setzt auf die Impfpflicht. 
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach setzt auf die Impfpflicht.  dpa/Hannibal Hanschke

Neue Daten aus mehreren Ländern verfestigen die Beobachtung, dass Corona-Erkrankungen mit der Omikron-Variante meistens deutlich milder verlaufen als mit der bisher vorherrschenden Delta-Variante. Eine hohe Gefährdung sehen Corona-Infizierte weiterhin für Ungeimpfte, während Geimpfte mit Booster-Schutz bei einer Infektion selten mehr als milde Symptome verspüren. Daraus erwächst die Hoffnung, dass Omikron vielleicht schon das Ende der inzwischen rund zwei Jahre andauernden Pandemie bedeutet.

Führt uns Omikron aus der Corona-Pandemie?

Virologe Klaus Stöhr glaubt an das Pandemie-Ende durch Omikron.
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Virologe Klaus Stöhr glaubt an das Pandemie-Ende durch Omikron.

Diese Auffassung vertritt der Virologe Klaus Stöhr im Inforadio: Zwar steige mit Omikron die Zahl der Infektionen, und es sei richtig, gegenzusteuern. Aufgrund der meist milden oder asymptomatischen Verläufe sei aber keine Überlastung der Krankenhäuser zu erwarten. „Es ist eine Tendenz, die in Richtung Ende der Pandemie führt, weil das Virus sich angepasst hat“, so Stöhr.

Zwar sei es richtig, Kontakte zu reduzieren und Quarantänezeiten zu verkürzen. Corona-Maßnahmen zu verschärfen, also „im Restaurant nur noch die zuzulassen, die geimpft oder genesen sind, wird an der Weiterverbreitung des Virus in der Gesamtpopulation meines Erachtens keinen großen Unterschied machen“, so Stöhr wörtlich.

Auch gegen eine allgemeine Impfpflicht spricht sich Stöhr in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung aus. Die Bundesregierung bewege sich beim Thema Impfpflicht in einem „weitgehend datenfreien Raum“, außerdem komme diese im März oder April ohnehin zu spät. „Dann sind aber nicht nur die Corona-Messen des Winters gesungen. Dann wird auch die Populationsimmunität viel höher sein und der Infektionsdruck durch den Frühling signifikant nachlassen.“

Trügerischer Sommer, neue Coronavirus-Varianten im Herbst

Dieser Auffassung widerspricht Karl Lauterbach vehement. Der Bundesgesundheitsminister erwartet, dass die Gesellschaft durch die Impfpflicht relativ gut geschützt sein werde. „Wir dürfen nicht mehr in eine Situation geraten, in der ein Sommer trügerisch gut ist, uns aber im Herbst neue Varianten überraschen – und das, ohne dass die breite Bevölkerungsmehrheit geimpft ist. Denn dann ginge alles wieder von vorne los“, so Lauterbach in der Welt am Sonntag. 

„Man muss akzeptieren, dass man selbst mit der Pflicht niemals alle Menschen erreichen wird“, sagte der SPD-Politiker weiter. „Aber ich bin davon überzeugt, dass es eine große Gruppe von Ungeimpften gibt, die wir durch die Impfpflicht zu einer Impfung bewegen können.“

Der Minister bekräftigte, dass die Impfpflicht trotz eines geringeren Risikos für schwere Erkrankungen bei der neuen Omikron-Variante nötig sei. „Eine Omikron-Infektion macht nicht zwingend immun vor der nächsten Virusvariante. Der Glaube, dass die Omikron-Variante das Ende der Pandemie ist, ist naiv.“

Über eine Impfpflicht soll der Bundestag ohne Fraktionsvorgaben abstimmen. Eine schnelle Entscheidung wird es aber voraussichtlich nicht geben. Im Gespräch ist zunächst eine „Orientierungsdebatte“ im Januar. Die SPD strebt den Abschluss eines Gesetzgebungsprozesses „im ersten Quartal“ an, also bis Ende März. Lauterbach arbeitet nach eigenen Angaben „als Abgeordneter“ an einem Vorschlag für eine allgemeine Impfpflicht für über 18-Jährige.