Heinz Hermann Thiele stieß schon beim Bremsenspezialist Knorr-Bremse mit seinem autoritären Führungsstil etlichen Mitarbeitern vor den Kopf. Foto: Imago Images/HRSchulz

Ein einzelner Aktionär könnte die milliardenschwere Rettung für die Lufthansa noch kippen: Der Unternehmer Heinz Hermann Thiele (79) stockte seinen Anteil an der Airline von zehn auf 15,52 Prozent auf und fordert Änderungen am Hilfspaket. Doch das lehnt die Politik strikt ab. Die Lufthansa reagierte alarmiert - und muss die Insolvenz befürchten. 

Thiele stößt sich vor allem an der vorgesehenen Staatsbeteiligung im Umfang von 20 Prozent und will den Rettungsplan nachverhandeln. Als Aktionär gerate der Bund in eine Doppelrolle, die nötige Sanierung der Lufthansa könne so verschleppt werden, sagte der Milliardär der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Als Kompromisslösung kann er sich etwa eine indirekte Beteiligung der staatlichen KfW-Bank vorstellen, die sich politisch zurückhalte. Auch eine Insolvenz will Thiele geprüft sehen: „Das darf man doch nicht ausschließen.“ Selbst dann könnte Thiele als Anteilseigner profitieren, etwa durch den Verkauf der Lufthansa-Jets. 

Mit neun Milliarden Euro soll die Lufthansa gerettet werden. Doch dieser Plan könnte noch scheitern. Foto: dpa/Boris Roessler

Thiele stößt sich vor allem an der vorgesehenen Staatsbeteiligung im Umfang von 20 Prozent und will den Rettungsplan nachverhandeln. Als Aktionär gerate der Bund in eine Doppelrolle, die nötige Sanierung der Lufthansa könne so verschleppt werden, sagte der Milliardär der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Als Kompromisslösung kann er sich etwa eine indirekte Beteiligung der staatlichen KfW-Bank vorstellen, die sich politisch zurückhalte.

Auch eine Insolvenz will Thiele geprüft sehen: „Das darf man doch nicht ausschließen.“ Selbst dann könnte Thiele als Anteilseigner profitieren, etwa durch den Verkauf der Lufthansa-Jets. 

Der Großteil der Lufthansa-Eigentümer kommen aus Deutschland, entcheidend für die Zukunft der Fluglinie sind dabei die Kleinanleger. Grafik: AFP

Seit der Erhöhung seiner Anteile ist Thiele größter Einzelaktionär bei Lufthansa. Eine Zustimmung zum Rettungspaket bei der virtuellen Hauptversammlung am 25. Juni ließ der machtbewusste 79-Jährige offen. Die Lufthansa warnte daher, die Umsetzung des neun Milliarden Euro schweren Rettungspakets sei „nicht gesichert“.

Zukunft der Lufthansa hängt von Kleinaktionären ab

Denn weil sich im Zuge des Corona-Absturzes etliche Großanleger-Fonds zurückgezogen haben, hängt die Zukunft der Fluglinie an den Kleinanlegern. Von ihnen erscheint aber meist nur ein kleiner Teil auf Hauptversammlungen. Sind aber weniger als 50 Prozent der Aktionäre am 25. Juni dabei, ist statt einfacher eine Zweidrittelmehrheit für die Annahme des Rettungspakets erforderlich.

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Votiert Thiele mit seinem 15-Prozent-Anteil gegen die Hilfsmaßnahmen, könnte das Paket nach monatelangem harten Ringen die Mehrheit verfehlen. „Dies würde bedeuten, dass die Deutsche Lufthansa AG möglicherweise zeitnah ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren beantragen müsste“, warnte die Kranich-Fluglinie. Der Konzernvorstand richtete daher „an alle privaten und institutionellen Aktionäre den eindringlichen Appell, ihr Stimmrecht wahrzunehmen und an der Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens mitzuwirken“.

Keine leichte Aufgabe: Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr muss sich mit Milliardär Thiele arrangieren. Foto: Imago Images/Sepp Spiegl

Doch wer ist eigentlich der Münchner Milliardär, der mit der Zukunft der Lufthansa schachert? Thiele arbeitete sich einst beim Bremsenspezialisten Knorr-Bremse hoch, übernahm schließlich die damals marode Firma 1987. Heute ist Knorr-Bremse weltweit führender Hersteller von Bremsen für Schienen- und Nutzfahrzeuge mit fast sieben Milliarden Euro Umsatz und rund 30.000 Mitarbeitern. Und Thiele gehört mit schätzungsweise 15,5 Milliarden US-Dollar zu den 100 reichsten Menschen der Welt. Auch den Bahntechnik-Konzern Vossloh kontrolliert der Münchner Selfmade-Unternehmer heute.

Lufthansa-Mitarbeiter müssen um ihren Job zittern: 22.000 Vollzeit-Stellen sollen abgebaut werden. Foto: dpa/Andreas Arnold

Wegen seines autoritären Führungsstils ist der Firmenpatriarch bei Managern gefürchtet. Tun sie nicht, was er will, werden sie im Stil eines Donald Trump gefeuert. Auch Gewerkschaften ist Thieles autoritärer Führungsstil ein Dorn im Auge: Bei Knorr-Bremse müssen Beschäftigte 42 Stunden pro Woche arbeiten, ohne Lohnausgleich. Tariflich gelten 35 Stunden. Aus dem Arbeitgeberverband ist das Unternehmen 2004 ausgetreten. Auch vor der eigenen Familie schreckt der Patriarch nicht zurück. Sohn Hendrik, der als Nachfolger galt, setzte er 2015 vor die Tür. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kann sich auf einiges gefasst machen.