Die Ansage von Jens Spahn kommt zur Unzeit, die Impfkampagne läuft auf Hochtouren. dpa/Jörg Carstensen

Volle Breitseite gegen Jens Spahn (CDU). Mit seiner Ankündigung, die Lieferungen des Impfstoffs von Bionech/Pfizer an Hausärzte zu beschränken, hat der Bundesgesundheitsminister eine Welle der Empörung und Fassungslosigkeit ausgelöst: Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) nannte sie in der Bild am Sonntag „inakzeptabel“. Andreas Gassen, Chef der deutschen Kassenärzte, zeigte sich „fassungslos“ und jetzt empört sich auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

Spahn wirft „Brocken in das Impfgetriebe“

Das Gesundheitsministerium werfe damit „Brocken in das Impfgetriebe“, sagte Schwesig der Bild am Sonntag. „Ich habe kein Verständnis mehr für dieses Hin und Her.“ Angesichts der schwierigen Corona-Lage forderte Schwesig, die angekündigte Begrenzung „unverzüglich“ zurückzunehmen.

Das Ministerium hatte am Freitag angekündigt, dass die Höchstabgabemenge von Biontech-Impfstoff auf 30 Impfdosen pro Woche pro niedergelassenem Arzt oder niedergelassener Ärztin beschränkt werde. Hintergrund ist demnach, dass die Medizinerinnen und Mediziner derzeit zu mehr als 90 Prozent Biontech nachfragen. Das Ministerium warb dagegen dafür, vermehrt den Moderna-Impfstoff einzusetzen, da andernfalls ab Anfang kommenden Jahres eingelagerte Dosen verfallen.

Gesundheitsminister streiten in Schaltkonferenz über Biontech-Lieferbeschränkung

Spahns Biontech-Bremse wird nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) am Montagnachmittag nun bei einer Schaltkonferenz der Ländergesundheitsminister Streitthema sein. Der derzeitige Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Bayerns Ressortminister Klaus Holetschek (CSU), forderte in der Bild am Sonntag, die Lieferbeschränkungen müssten „sofort zurückgenommen werden“, sie zerstörten Vertrauen.

Andreas Gassen, Chef der deutschen Kassenärzte, betonte in der Bild am Sonntag, dass die Moderna-Dosen nur bedingt weiterhelfen würden, weil sie nicht an Unter-30-Jährige gespritzt werden dürften, beim Transport empfindlicher seien und bei den Patienten erheblichen Beratungsbedarf auslösten.