Kerzen brennen vor einem Bild des russischen Präsidenten Putin, das ihn als „War Criminal“ (Kriegsverbrecher) bezeichnet. dpa/Rumpenhorst

Es sind Indizien, die sich wie ein Mosaik zusammenfügen: Die weiterhin ergebnislose Invasion Russlands in das Nachbarland Ukraine treibt das Riesenland immer näher an den Abgrund. Offenbar steht die russische Wirtschaft, trotz fortlaufender Einnahmen aus Energieexporten, vor der Staatspleite. In diesen Tagen ist eine Zahlung von 649,2 Millionen Dollar für Staatsanleihen fällig, die das Land zwischen 2022 und 2042 herausgegeben hat.

Doch die russische Regierung kann die fällige Zahlung offenbar nicht tätigen. Das Finanzministerium wies zwar an, den Betrag zu zahlen, allerdings nicht in Dollar, sondern in Rubel. Die international fast wertlose Währung könnte die russische Regierung nach Belieben drucken. Deshalb bereiten sich die Ratingagenturen darauf vor, Russlands Kreditwürdigkeit nochmals herabzustufen – derzeit bewertet die Ratingagentur Fitch Russland bereits mit einem „C“, das bedeutet: hohe Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall.

Russland-Experte: Putins Politik selbstmörderisch für sein Land

Russland-Experte Andreas Heinemann-Grüder sagte dem Focus, die Sanktionen würfen Russland auf den Stand nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre zurück. Er bezeichnet Putins Politik wörtlich als „selbstmörderisch für sein Land“. Der russische „Petro-Staat“, dessen Wohlstand sich allein auf die Einnahmen von Erdöl und Erdgas gründet, werde zusammenbrechen. „Seine Ära wird mit dem Kollaps dessen enden, was er mehr als zwei Jahrzehnte lang erreichen wollte“, so Politikwissenschaftler Heinemann-Grüder.

Beschleunigen könnten den Machtverfall des russischen Regimes die offenkundigen Misserfolge des Ukraine-Krieges sowie die offensichtlich gezielten Gräueltaten in Butscha und anderen Orten, deren Verantwortung Russland nicht entkommen wird. Aus dem Exil sagt der russische Oppositionspolitiker Leonid Wolkow das baldige Ende der Putin-Regierung voraus: Die Entscheidung für die Invasion in die Ukraine habe Putin „dramatisch die Wahrscheinlichkeit eines Szenarios verringert, in dem er einfach im Kreml bleibt, bis er stirbt“, so Wolkow am Rande des Gipfels für Menschenrechte und Demokratie in Genf.