US-Militärs in Polen – die Nato verstärkt wegen des Ukraine-Konflikts ihre Truppen in Osteuropa. AP/Nathan Posner

Steht eine Invasion in die Ukraine kurz bevor – oder zieht Russland doch seine Truppen ab, wie Kremlchef Wladimir Putin am Donnerstag erneut beteuerte, nur um am Freitag ein Manöver mit Atomraketen anzukündigen? Vor dem Hintergrund massiver Spannungen in der Ukraine-Krise beginnt heute die Münchner Sicherheitskonferenz – ohne eine offizielle russische Delegation.

Stattdessen kündigte die Atommacht ein Manöver mit Einsatz von Nuklearraketen an. Die Übung an diesem Samstag stehe unter Führung des Präsidenten Wladimir Putin, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Was wäre, wenn aus dem Säbelrasseln tatsächlich ein Krieg würde? Fest steht: Eine militärische Auseinandersetzung in der Ukraine hätte massive Folgen für uns alle und wäre ein herber Rückschlag für die Wirtschaft.

EU droht bei militärischem Konflikt eine Flüchtlingswelle

Eine militärische Eskalation würde für die EU eine neue Flüchtlingskrise bedeuten. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, warnte bereits, dass im Kriegsfall mehr als eine Million Flüchtlinge in die EU kommen könnten. „Es wird geschätzt, dass zwischen 20.000 und mehr als einer Million Flüchtlinge kommen könnten“, sagte Schinas der Welt. Die EU sei „bereit, eine bedeutende humanitäre Hilfe zu mobilisieren und beim Zivilschutz zu helfen“.

Krieg lässt Preise für Öl, Benzin und Gas in die Höhe schnellen

Sollte die Krise eskalieren, dürften Öl- und Gaspreise deutlich steigen und damit auf die ohnehin durch die Corona-Krise schwächelnde Konjunktur drücken. Autofahrer müssten sich auf noch höhere Benzinpreise einstellen und die extrem gestiegene Inflation würde durch kletternde Energiepreise ebenfalls weiter angeheizt. „Selbst wenn die Gaslieferungen nicht eingeschränkt würden, käme es zu einem Preisschock, jedenfalls vorübergehend“, sagte Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts. „Das träfe private Haushalte und Industrie in Deutschland gleichermaßen.“

Bislang rechnet das Ifo-Institut mit einer Inflationsrate von vier Prozent im laufenden Jahr – das wäre die höchste seit 1993 und noch einmal deutlich mehr als 2021 mir 3,1 Prozent. „Sollte ein Krieg ausbrechen, könnte sie noch höher ausfallen“, sagte Fuest.

Öl- und Gastransporte aus Russland könnten dann teils ausgesetzt werden. Ein totaler Lieferstopp sei unwahrscheinlich, weil Moskau auch künftig noch Gas nach Europa verkaufen wolle und auch auf das Geld angewiesen sei, das dafür bezahlt werde, meint Fuest. Die Angst vor Lieferengpässen ist jedoch umso größer, da viele Lager jetzt schon nur schwach gefüllt sind und die Fähigkeit der Ölproduzenten, ihre Kapazitäten auszubauen, begrenzt ist.

Preise für Brot und Nudeln steigen

Auch die Preise für Brot, Nudeln und andere Getreideprodukte in deutschen Supermärkten könnten bei einem militärischen Konflikt in die Höhe schießen. Schon im Januar stiegen die Weizenpreise kräftig, als sich die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine hochschaukelten. Die Ukraine zählt zu den größten Weizenexporteuren der Welt, zusammen mit Russland werden etwa 60 Millionen Tonnen Weizen ausgeführt. Damit bestreiten sie knapp 30 Prozent des globalen Weizenhandels.

Herbe Verluste für deutsche Großfirmen im Kriegsfall möglich

An den Finanzmärkten drohen im Kriegsfall ebenfalls heftige Turbulenzen. Denn Investoren fürchten um das 23 Milliarden Euro schwere Russlandgeschäft der deutschen Großkonzerne, die im Aktienindex Dax gelistet sind. Dem Index droht bei einer militärischen Auseinandersetzung in der Ukraine laut Experten ein Rutsch um durchschnittlich zehn Prozent. Der Preis für Gold als sicherer Hafen dagegen würde deutlich steigen. Der Kurs des Euro dagegen fallen, weil der US-Dollar dann als sicherere Währung gelten würde.