Nach der Ankunft am Flughafen Tegel wurde der Regimekritiker sofort mit einer Spezialtrage in die Berliner Charité gebracht.
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Berlin - Auf einem stundenlangen Flug aus Sibirien wurde Kreml-Kritiker Alexej Nawalny nach Berlin gebracht und wird nach einem möglichen Gift-Anschlag nun in der Charité behandelt. Dort wollen die Ärzte neue Tests machen und den Gesundheitszustand des 44-Jährigen genau untersuchen. Sein Zustand ist nach Angaben seiner Vertrauten stabil. Seine Frau Julia sei bei ihm, hieß es.

Ein Intensivtransporter der Bundeswehr brachte Nawalny mit einer Polizeieskorte von Tegel in die Klinik. Dort wird der Regierungskritiker zunächst umfangreich untersucht. Nach der medizinischen Diagnostik und Rücksprache mit der Familie würden sich die Ärzte zu der Erkrankung und weiteren Behandlungsschritten äußern, teilte die Charité mit. Die Untersuchungen würden einige Zeit in Anspruch nehmen. Sobald Erkenntnisse vorliegen, werde auch die Öffentlichkeit informiert.

Ein Spezialflugzeug mit dem Kreml-Kritiker Nawalny an Bord steht auf dem Flughafen Tegel vor einem Hangar. Eine Trage wird aus dem Flieger gehoben. Foto: Michael Kappeler/dpa

Zuvor hieß es nach Angaben seines Umfelds, der Zustand des im Koma liegenden Kreml-Kritikers sei stabil. Der prominente russische Oppositionelle wurde nach Angaben seines Umfelds mutmaßlich vergiftet und muss beatmet werden.

Alexej Nawalny im März 2017: Mehrfach ist der Kreml-Gegner auf öffentlichen Kundgebungen festgenommen worden. Foto: Imago Images/ITAR-TASS

Nawalny war vom sibirischen Omsk am Sonnabend mit dem von Cinema for Peace gecharterten Rettungsflugzeug nach Deutschland gebracht worden. Dem Abflug war ein stundenlanger Disput zwischen russischen und deutschen Ärzten über die Transportfähigkeit Nawalnys vorausgegangen.

Die russischen Ärzte hatten zunächst erklärt, der Zustand des 44-Jährigen lasse es nicht zu, dass er nach Deutschland gebracht werden könne. Dem hatten deutsche Ärzte, die Nawalny untersuchen konnten, widersprochen. Am Freitagabend erlaubten die Ärzte in Omsk schließlich die Verlegung nach Deutschland.

Julia Nawalny, Ehefrau des Regierungskritikers, auf dem Weg in die Berliner Charité Foto: Odd Andersen/AFP

Nawalnys engster Kreis wirft den Behörden und Ärzten vor, mit einer Verzögerungstaktik einen raschen Transport verhindert und so mögliche Beweise vertuscht zu haben. „Nichts hat den Transport von Nawalny behindert. Es war notwendig, dass das so schnell wie möglich getan werden musste“, twitterte Nawalnys Sprecherin, Kira Jarmysch.

Auch die deutsche Regierung setzt jetzt auf eine erfolgreiche Behandlung. „Die Bundesregierung hofft, dass die Behandlung in der Charité zu einer Besserung seines Zustands führt und eine vollständige Genesung ermöglicht“, teilte ein Regierungssprecher auf Anfrage mit.

Nawalny ist einer der schärfsten Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin. Der studierte Jurist wirft der Regierung und Oligarchen regelmäßig Korruption und Machtmissbrauch vor. Auf ihn hatte es schon mehrfach Anschläge gegeben. Am Donnerstag hatte er auf dem Flug von Sibirien zurück nach Moskau über Unwohlsein geklagt und das Bewusstsein verloren. Nach einer Notlandung in Omsk kam Nawalny sofort in die Klinik.