Polizeibeamte am Autowrack in dem sich die Frau mit den Füßen einzementiert hatte.
Polizeibeamte am Autowrack in dem sich die Frau mit den Füßen einzementiert hatte. dpa/Thomas Banneyer

Es klingt wie Hohn, doch ausgerechnet das extrem ungemütlich-kalte Wetter hat Klimaaktivistinnen und -aktivisten in der Nacht zu Donnerstag in heftige Bedrängnis gebracht – so heftig, dass eine Demonstrantin die Polizei anflehte, sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Die Frau hatte sich aus Protest gegen den Abriss der längst verlassenen Siedlung Lützerath zwischen Düsseldorf und Aachen in einem dort aufgestellten Autowrack verschanzt, dass der Polizei als Hindernis in den Weg gestellt wurde.

Ihre Füße hatte die Demonstrantin einzementiert und war so nicht mehr in der Lage, sich aus dem Wrack zu bewegen. Was als Klima-Protest gedacht war, wurde im Laufe der Nacht jedoch zu einem heftigen Problem für die Frau. Die Temperaturen sanken auf Werte um den Gefrierpunkt, sie kämpfte mit gesundheitlichen Problemen. Schließlich flehte sie die Polizei an, sie zu befreien.

Polizei-Spezialkräfte befreit einzementierte Frau mit Bohrhammer und Flex

Erst in den frühen Morgenstunden gelang es Einsatzkräften, die entkräftete Demonstrantin zu befreien. Eine Polizeisprecherin erklärte am frühen Donnerstagmorgen: „Es liegt auch eine konkrete Gefahr aufgrund des kalten Wetters vor und unser gesetzlicher Auftrag ist es auch, Gefahr abzuwenden.“ Aus diesem Grund habe die Polizei Spezialkräfte angefordert. Ausgerüstet mit einem Bohrhammer und Flex gelang es den Beamten schließlich, die Frau aus dem Zement zu befreien. Sie und weitere an Betonteilen und Stahlträgern befestigte Protest-Teilnehmer wurden von Ärzten untersucht und konnten schließlich unter Polizeibegleitung das Gelände verlassen.

Andere Protestteilnehmer harren auch am Donnerstag in besetzten Gebäuden und Baumhäusern aus. Es ist unklar, wie viele Protest-Teilnehmer noch auf dem Gelände sind. Vor Ort herrschen Dauerregen, starker Wind gefährdet vor allem diejenigen, die in den Bäumen ausharren. „Wir hoffen, dass der Sturm nicht noch stärker wird“, sagte eine Sprecherin der Initiative „Lützerath lebt“ am Donnerstagmorgen. Die Situation sei etwa für die Menschen in den Baumhäusern gefährlich. „Im Normalfall kommen sie bei Sturm runter“, sagte sie. Laut der zuständigen Polizei Aachen hatten am Mittwoch bereits 200 der Protest-Teilnehmer das Gelände verlassen. Die Einsatzkräfte appellierten ausdrücklich an Protestierende mit Kindern, den Bereich umgehend zu verlassen.

Demonstranten halten sich in Bäumen verschanzt, die nun gefällt werden

Am Donnerstagmittag teilte die Polizei mit, es seien Baumfäll- und Abrissarbeiten geplant. Journalisten und Beobachter wurden über Twitter aufgefordert, Helme und Warnwesten zu tragen.