Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt einen Abstrich im Corona-Testzentrum am Flughafen Hannover-Langenhagen. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Der Deutsche Hausärzteverband übt Kritik an der Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. „Viel zu testen ist an sich vernünftig, die Testpflicht ist aber Aktionismus, von dem ich wenig halte“, sagte der Verbandsvorsitzende Ulrich Weigeldt der „Welt“. Die Risikogebiete seien „viel zu pauschal“ eingeteilt worden und viele Hausärzte nicht für einen riesigen „Ansturm von Testwilligen“ ausgestattet. 

Weigeldt bezeichnete es zudem als „absurd“, dass Reiserückkehrer dem Arzt glaubhaft machen müssten, tatsächlich im Ausland gewesen zu sein - etwa durch einen Boarding-Pass oder eine Hotelrechnung. „Wir sind Ärzte und nicht die Außenstelle des Bundesgesundheitsministeriums. Wie soll ich denn auch überhaupt eine Hotelrechnung überprüfen? Wer da wann genau wo gewesen ist?“, sagte Weigeldt. „Das ist doch wahnwitzig.“

Wer aus Risikogebieten nach Deutschland kommen, muss sich seit diesem Samstag bei der Einreise auf das Coronavirus testen lassen. Alternativ kann ein negatives Testergebnis vorgelegt werden, das nicht mehr als zwei Tage alt ist. Als Risikogebiete eingestuft sind die meisten Staaten der Erde, auch die USA oder Brasilien.

Das Corona-Testcenter für Reiserückkehrer am Flughafen Stuttgart - auch Hausärzte rechnen mit einem Ansturm von Testwilligen in ihren Praxen. Foto: Imago Images/Lichtgut

Aus der CDU gibt es Kritik daran, dass die Pflichttests für die Reisenden kostenlos sind. Der designierte Hamburger CDU-Landeschef Christoph Ploß sagte dem „Spiegel“, es sei nicht akzeptabel, dass alle Deutschen die Kosten gleichermaßen tragen müssen. „Wer einen Test benötigt, sollte auch für ihn bezahlen.“

Der Ärzteverband Marburger Bund dagegen begrüßte die neue Pflicht. An ersten Ergebnissen sei zu sehen, dass bei Rückkehrern aus Risikogebieten die Rate positiver Tests höher sei als bei den Tests im Inland, sagte die Vorsitzende Susanne Johna. „Die Testpflicht könnte dies sogar noch deutlicher zutage fördern - denn es liegt nahe, dass Menschen mit einer Tendenz zu Risikoverhalten im Urlaub auch eher an freiwilligen Teststationen vorbeigehen.“