Die Kosten für Pensionäre drohen in den kommenden Jahren zu explodieren. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Köln - Die Zahl der Bundesbediensteten steigt stetig, und während die Altersrente im Schnitt bei 1110 Euro lag, kassierten die rund 440.000 Bundesbeamten im vergangenen Jahr durchschnittliche Versorgungsbezüge von 3148 Euro pro Monat. Und die Kosten-Lawine für Staatsdiener kommt bald erst richtig ins Rollen, warnen Ökonomen vor rasant wachsenden Pensionslasten durch Beamte von Bund und Ländern. In den kommenden Jahren gingen „die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand, in der Folge werden die Pensionsausgaben kräftig steigen“, so die Experten des arbeitgebernahen Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in ihrem Bericht. Auch wenn diese Kostenexplosion seit Jahren absehbar ist, seien zu wenig Rücklagen gebildet worden, um die Ausgaben zu stemmen.

2019 kosteten Beamten-Pensionen 809 Milliarden Euro

Seit Jahren schnellen die veranschlagten Kosten für Pensionen und Beihilfen von Bundesbeamten in die Höhe. Der letzten Vermögensrechnung nach durchbrachen sie im Jahr 2019 mit 809 Milliarden Euro erstmals die 800-Milliarden-Euro-Marke, wie im Bericht vorgerechnet wird. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies ein Gesamtanstieg von 51,21 Milliarden Euro, im Zehnjahresvergleich ein Zuwachs von 88 Prozent innerhalb von zehn Jahren.

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Im Bund entspricht der Barwert der Zusagen – der aktuelle Wert künftiger Zahlungsverpflichtungen – damit schon heute einem Betrag von rund 10.000 Euro pro Einwohner. Zum Teil noch deutlich höher sind die Verpflichtungen der Länder, die mit Lehrern und Polizisten die größten Beamtengruppen beschäftigen. In Berlin und Hamburg kommen so rund 20.000 Euro pro Einwohner hinzu.

Zusammengerechnet ergeben die Verpflichtungen von Bund und Ländern ausgehend von Ende 2019 für die kommenden 40 Jahre rund zwei Billionen Euro – das entspricht rund 60 Prozent der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung.

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Die öffentlichen Haushalte seien jedoch nicht ausreichend auf die Ausgabensteigerungen eingestellt, warnen die IW-Experten. Zwar hätten viele Länder und auch der Bund in der Vergangenheit Rücklagen und Fonds aufgelegt, die das Ausgabenplus abfedern sollen. Diese deckten jedoch nur einen relativ kleinen Teil der tatsächlich anfallenden Kosten. In einigen Fällen seien die Zuflüsse zu den Rücklagen sogar gekürzt worden oder der Fonds ist gleich ganz aufgelöst worden.

Die steigenden Pensionsausgaben müssten also aus den laufenden Haushalten finanziert werden – angesichts der Corona-Krise ein schwieriges Unterfangen. Kurzfristig, also mit Blick auf dieses Jahrzehnt, sei mit der Corona-Krise die Hoffnung geschwunden, die Belastungsspitzen aus laufenden Überschüssen zahlen zu können, schätzen die Experten im Bericht. Noch sei offen, welchen Weg die Politik einschlagen wird, um ihre Zusagen einzuhalten.