Rapper Smudo demonstriert auf seinem Smartphone die App Luca.  Foto: dpa/Axel Heimken

Schritt für Schritt sollen die Menschen in Deutschland aus dem langen Corona-Lockdown herauskommen – das sieht der am Mittwoch beschlossene Stufenplan von Bund und Ländern vor.

Helfen soll dabei eine Smartphone-App zur „Kontaktnachverfolgung insbesondere für Besuche von Veranstaltungen, von Außengastronomie und Ähnlichem“, wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach den Beratungen sagte. Sie soll bundeseinheitlich ausgewählt werden.

App ersetzt Adresslisten in der Gastronomie

Eine Entscheidung für eine bestimmte App gibt es noch nicht. Als Beispiel nannte die Kanzlerin die Smartphone-Anwendung Luca, hinter der unter anderem der Rapper Smudo von den Fantastischen Vier steht.

Die Idee: Statt in jedem Restaurant seinen Namen und seine Adresse auf einen Zettel zu schreiben, den der Wirt dann für eine mögliche Kontaktnachverfolgung aufheben und im Infektionsfall an das Gesundheitsamt übergeben muss, können die Nutzer der App mit wenigen Klicks ihren Besuch im Restaurant dokumentieren.

Dazu scannen sie am Eingang einen QR-Code ein. Wenn sie das Restaurant wieder verlassen, checken sie aktiv oder – über die Ortungsfunktion ihres Handys – automatisch wieder aus.

Daten gehen an Gesundheitsämter

„Das Ganze wird mit den Gesundheitsämtern verbunden, sodass wir bundeseinheitlich eine elektronische Kontaktnachverfolgung in der Länderkompetenz durchsetzen können“, sagte Merkel.

Auch private Treffen können mit der Luca-App dokumentiert werden. Dazu können in der App QR-Codes generiert und mit denen von Freunden und Familie verknüpft werden.

Drei Berliner entwickelten Luca

Entwickelt wurde die App von den drei Berlinern Philipp Berger, Marcus Trojan und Patrick Hennig. Ihre Firma Nexenio ist eine Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam, unterstützt werden sie von Kulturschaffenden wie Smudo. Nach Angaben der Macher soll die Luca-App die Corona-Warn-App des Bundes nicht ersetzen, sondern ergänzen, indem sie die Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter vereinfacht.

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Die App ist für iOS und Android verfügbar und für die Nutzer kostenlos. Die Daten werden nach Angaben der Entwickler anonym und verschlüsselt gespeichert. Von Betreibern und Veranstaltern können sie nicht eingesehen werden.

Erst wenn ein Infektionsfall auftritt, kann das Gesundheitsamt die Nutzer um eine Freigabe ihrer Daten bitten. Anhand der Aufenthaltsorte der letzten 14 Tage kann das Gesundheitsamt dann die Veranstaltungsorte kontaktieren und auch sie um eine Freigabe der verknüpften Datensätze bitten.

So kann das Gesundheitsamt dann alle anderen Nutzer warnen, die etwa zusammen mit dem Infizierten im Restaurant waren.

Die Einbindung der Gesundheitsämter steht bisher noch ganz am Anfang: In Jena, auf den Nordseeinseln Sylt, Amrum und Föhr, in Nordfriesland und im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt wird die App bereits genutzt, wie ein Sprecher sagte.

Die teilnehmenden Betriebe sind dabei ganz unterschiedlich – in Restaurants oder Bars kann die App wegen des Lockdowns aktuell ja noch gar nicht genutzt werden. Erprobt wurde Luca nach Angaben des Sprechers aber schon in Bürgerämtern, bei Stadtratssitzungen, in Alten- und Pflegeheimen und Büros.