Besonders in Niedersachsen wird Erdgas durch Fracking gewonnen, vielerorts hagelt es aber Protest. dpa/Holger Hollemann

Um aus der Energieabhängigkeit von Russland herauszukommen, erlebt der umstrittene Kohlestrom sein Comeback. Ist tatsächlich jedes Mittel recht, um Gasknappheit bei einem Lieferstopp aus Moskau zu vermeiden? Die FDP ist jetzt sogar dafür, das weitgehende Verbot von Fracking zur Förderung deutscher Gasreserven von 2017 zurückzunehmen.

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Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, forderte wie auch schon CSU-Chef Markus Söder eine „ernsthafte Prüfung“ der Technologie. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erteilte Fracking eine Absage. Was ist so schlimm an der Methode, Gas aus Gesteinsschichten zu pressen? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie funktioniert Fracking?

Beim Fracking wird eine Wasser-Sand-Chemikalienmischung unter hohem Druck in Gesteinsschichten gepresst, die sehr fein verteiltes Gas oder Öl enthalten, das nicht frei fließen kann. Die Schichten werden „aufgebrochen“, um die Rohstoffe herauszudrücken.

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Unterschieden wird zwischen Fracking in konventionellen und unkonventionellen Lagerstätten: In konventionellen Lagerstätten wird Gas aus Sandsteinschichten gewonnen, in denen es in Blasen vorliegt (sogenanntes Tight Gas). Hier ist weniger Flüssigkeit mit weniger Zusätzen nötig. Diese Methode wird schon seit Langem genutzt, etwa um die Ausbeute von zur Neige gehenden Quellen zu erhöhen.

Im Gegensatz dazu sind Öl und Gas in unkonventionellen Lagerstätten in Schiefer- oder Kohleflözschichten direkt an die Gesteinsoberfläche gebunden und teils weder gasförmig noch flüssig. Sie müssen mit viel höherem Druck und mehr Flüssigkeit befreit werden. Die benutzten Mischungen enthalten zudem verstärkt Zusätze, die giftig sind. Darüber hinaus liegen gerade diese Lagerstätten näher an der Oberfläche und damit dichter am Grundwasser.

Ist Fracking in Deutschland möglich?

In Deutschland ist die Ausbeutung unkonventioneller Lagerstätten verboten, Fracking in konventionellen Öl- und Gasvorkommen wird aber seit Langem angewandt und ist weiterhin erlaubt. Seit 2017 gelten allerdings strengere Vorschriften, beispielsweise für die verwendeten Flüssigkeiten. In Gebieten, die zur Trinkwassergewinnung genutzt werden, ist Fracking komplett verboten.

Laut Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) kommt Fracking in Deutschland seit Anfang der 60er-Jahre zum Einsatz, seitdem wurden rund 320 Frackingmaßnahmen umgesetzt, insbesondere in Niedersachsen. Etwa ein Drittel der in Deutschland geförderten Erdgasmenge stammt laut BVEG aus Bohrungen, die mit Fracking stimuliert wurden.

Das weitere Potenzial sei groß: Neben den 40 Milliarden Kubikmetern Erdgas in konventionellen Lagerstätten gibt es auch große Vorkommen in unkonventionellen Lagerstätten. Hier lagern weitere 450 Milliarden Kubikmeter Gas in Kohleflözen und weitere 2,3 Billionen Kubikmeter in Schiefergesteinen.

Welche Risiken birgt Fracking für die Umwelt?

Eine Förderung dieser Vorkommen gilt aus Umweltgründen als riskant: Laut Umweltorganisation Greenpeace werden pro Frack zwischen 1000 und 1600 Kubikmeter Wasser verbraucht, dieses wird mit 0,5 bis zwei Prozent Chemikalien sowie mit bis zu 20 Prozent Sand vermischt. Die Chemikalien und die Abwasserentsorgung sind eine Gefahr für das Grundwasser. Auch die Lagerung und der Umgang mit wassergefährdenden Chemikalien sind laut Bundesumweltministerium riskant.

Immer wieder diskutiert wird auch die Gefahr von Erdbeben durch Fracking. Laut der ETH Zürich kann der Druck in den entstehenden Brüchen zwar zu einer Ausweitung des Gesteins führen, doch größere Beben ereignen sich nur dann, wenn ein Fracking-Bruch auf bereits existierende Spannungen im Gestein trifft. Laut BVEG kann auch eine mehrjährige Erdgasförderung zu einer Änderung der Spannungsverhältnisse im Untergrund führen und so schwache Beben auslösen.