Eine Krankenschwester trägt drei Babys aus einem beschädigten Beiruter Krankenhaus.  Foto: Bilal Jawich/XinHua/dpa

Eine Stadt wurde durch eine unvorstellbare Katastrophe verwüstet - Beirut erlebte eine Art 11. September, wenn auch gewissermaßen im Erdgeschoss. Es dauerte nicht lange, bis beispielsweise auf Twitter Videos der unvorstellbaren Explosionen auftauchten, Nachrichtenagenturen lieferten Berichte und Fotos. Doch der deutsche Fernsehzuschauer, der viele Stunden später die Tagesthemen der ARD oder das heute-journal des ZDF einschaltete, erfuhr zuerst etwas über Fußball und Corona.

 Man weiß nicht, was die Nachrichten-Werker der öffentlich-rechtlichen Medien-Maschinen in den vielen Stunden gemacht haben, die ihnen bis zur Ausstrahlung der spätabendlichen Sendungen blieben. Es drängt sich aber eine Ahnung auf: Dass da gedankliche Mechanismen griffen, die Beirut als einen Ort begreifen, in dem Chaos und Entsetzen üblich seien und Nachrichten über ein neuerliches Debakel dort die Zuschauer nicht interessierten.

Dabei zeigt Beirut - schlecht regiert, durch Bürgerkrieg und wirtschaftlichen Niedergang gebeutelt - dass überall Menschen leben, die auch unter schrecklichsten Umständen zueinander stehen, dass die Reflexe der Mitmenschlichkeit funktionieren.

Was aus dem einstigen „Paris des Orients“ zu uns dringt, ist eine Lehre: Man muss Staaten und Staatschefs nicht mögen, auch keine Religionen. Aber man darf niemals vergessen, dass in, unter und mit ihnen Menschen leben, die wie wir in Deutschland eine friedliche Existenz anstreben. Die es vor allem nicht verdient haben, dass ihr Leid als weniger wichtig und bedeutsam gilt. 

Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn das nächste Mal irgendwo auf dem Globus eine Autobombe explodiert, Naturkatastrophen zuschlagen oder ein Flüchtlingsschiff untergeht.