Klimaaktivistin Jennifer Morgan gilt als international bestens vernetzt.
Klimaaktivistin Jennifer Morgan gilt als international bestens vernetzt. AFP/John Macdougall

Seit 2016 prangert sie als Chefin der Ökoorganisation Greenpeace Regierungen bei Vergehen gegen den Umweltschutz an. Doch jetzt wechselt Jennifer Morgan die Seiten. Das Bundeskabinett hat die Berufung der 55-Jährigen zur Klima-Sonderbeauftragten im Auswärtigen Amt beschlossen. Das teilte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Mittwoch mit.

Morgan soll in dem neu geschaffenen Amt die internationale Klimapolitik vorantreiben. Zu Morgans neuen Aufgaben werde es auch gehören, Deutschland auf den Weltklimakonferenzen zu vertreten.

Nach ihrem Studium der internationalen Beziehungen und Germanistik in Bloomington und Washington ging Jennifer Morgan in den 1990er-Jahren zum Climate Action Network in Washington, war ab 1995 auch jedes Jahr bei der Klimakonferenz und gilt als international gut vernetzt. Für Deutschland gehörte Morgan bereits während der EU-Ratspräsidentschaft 2007 zum Beratergremium der Bundesregierung unter Leitung des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber.

Jennifer Morgan soll später Staatssekretärin im Auswärtigen Amt werden. Das sei nicht sofort möglich, weil Morgan US-Staatsbürgerin sei. Sie solle verbeamtet werden, sobald sie die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen bekommen habe. Ein Antrag werde „derzeit mit Hochdruck bearbeitet“.

Union kritisierte Ernennung einer Lobbyistin

Scharfe Kritik an der überraschenden Personalentscheidung kam von den Unionsparteien. „Dass jetzt internationale Lobbyisten, egal in welcher Sache, die Führung von Bundesministerien übernehmen sollen, finde ich selbst für diese Bundesregierung überraschend“, sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt dem Münchner Merkur.

Die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International hält den geplanten Wechsel der bisherigen Greenpeace-Chefin in ein Regierungsamt für weitgehend unproblematisch. „Das Ziel ist, im Außenministerium den Klimaschutz voranzubringen, dazu braucht man Fachleute“, sagte der Vorsitzende von Transparency International in Deutschland, Hartmut Bäumer, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

„Es geht nicht um finanzielle Vorteile für Greenpeace, sondern um ideelle Anliegen. Das ist der Unterschied zu anderen Verbänden, bei denen Wirtschaftslobbyismus im Vordergrund steht.“