Weltweit werden Corona-Tests auch auf die neue Omikron-Variante untersucht. dpa/Michael Buholzer

Seitdem die neue Coronavirus-Variante Omikron in Südafrika festgestellt worden war, hält die Welt den Atem an: Ist sie noch gefährlicher als die derzeit am meisten verbreitete Delta-Variante? Schützen die Impfstoffe und gibt es mehr schwere Krankheitsverläufe?

Omikron macht neuen Impfstoff nötig

Jetzt geht auch Biontech-Chef Ugur Sahin davon aus, dass wegen der Omikron-Mutante ein neuer Covid-19-Impfstoff nötig sein wird. Ich glaube grundsätzlich, dass wir ab einem bestimmten Zeitpunkt einen neuen Impfstoff gegen diese neue Variante benötigen werden", sagte Sahin auf der Konferenz „Reuters Next“. Die Frage sei, wie dringend dieser benötig werde. „Ein neues Vakzin zu entwickeln könnte relativ schnell gehen, aber die Entwicklung ist sehr komplex, verläuft in vielen Schritten und dauert etwa 100 Tage.“

Wissenschaftler in Südafrika beobachten die neue Mutation mit Hochdruck. Und was sie bisher herausgefunden haben, ist beunruhigend. Denn die Infektionszahlen in Afrika nehmen seit dem Auftreten von Omikron rapide zu. In ganz Afrika seien in der vergangenen Woche 52.300 Neuinfektionen gezählt worden – das ist ein Anstieg um 105 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. 31.000 Neuinfektionen entfielen auf Südafrika.

Omikron verdrängt Delta-Variante rasend schnell

Und dabei scheint Omikron die Delta-Variante rasend schnell zu verdrängen. In Südafrika zeigten fast 80 Prozent aller DNA-sequenzierten Corona-Testergebnisse eine Infektion mit der Omikron-Variante an, sagte Anne von Gottberg, Mikrobiologin am Nationalen Institut für übertragbare Krankheiten in Johannesburg. „Es sieht daher so aus, als ob Omikron im Land vorherrscht“, sagte Gottberg. Zudem deuteten erste Analysen darauf hin, dass die Anzahl der Reinfektionen in Südafrika ansteige. „Wir schließen daraus, dass die Bevölkerung anfälliger für Omikron als Delta sein könnte“, so Gottberg. Es gebe allerdings Anzeichen, dass der Krankheitsverlauf bei Omikron weniger schwerwiegend sei, wenn es sich um eine Reinfektion handele oder der Patient geimpft sei.

Genesene sind nicht vor Omikron geschützt

Und: Eine überstandene Corona-Infektion schützt nicht vor einer Infektion mit der neuen Omikron-Variante. „Wir denken, dass eine vorherige Infektion nicht gegen Omikron schützt“, so Anne von Gottberg. Dann fielen die Symptome aber offenbar oft weniger schwer aus. Die vorhandenen Corona-Impfstoffe dürften laut von Gottberg ebenfalls gegen schwere Erkrankungen schützen.

Sollte sich allerdings bewahrheiten, dass Genesene sich mit Omikron infizieren können, wäre die gerade erst flächendeckend für Deutschland beschlossene 2G-Regel zu überdenken.

Außerdem könnte Omikron vor allem für jüngere Menschen gefährlicher sein als die Delta-Variante. In Südafrika etwa ist nach dem Auftreten der Omikron-Variante die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Kleinkindern deutlich gestiegen. Ob kleine Kinder durch die neue Variante besonders gefährdet sind, sei jedoch noch unklar, erklärten Wissenschaftler und Vertreter der Gesundheitsbehörden am Freitag.

Vor allem Kleinkinder sind durch Omikron gefährdet

„Wir haben einen ziemlich starken Anstieg in allen Altersgruppen festgestellt, insbesondere bei den unter Fünfjährigen“, sagte Wassila Jassat vom Nationalen Institut für übertragbare Krankheiten (NICD) mit Blick auf die Hospitalisierungen. Die Inzidenz bei den unter Fünfjährigen sei nun die zweithöchste nach der Altersgruppe der über 60-Jährigen.

Auch die Zahl der positiv auf Corona getesteten Kinder zwischen zehn und 14 Jahren ist den Experten zufolge gewachsen. Laut Wissenschaftlern könnte dies unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass die Corona-Impfung in Südafrika bislang nicht für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen ist.

„Vorläufige Daten deuten darauf hin, dass Omikron leichter übertragbar ist und das Immunsystem teilweise umgehen kann“, sagte Michelle Groome vom NICD. Obwohl die Patienten generell mildere Symptome als bei anderen Varianten aufweisen, könnten schwerere Krankheitsverläufe Groome zufolge erst in den nächsten zwei Wochen auftreten.