Auch Kinder und Jugendliche bis 15 können ab 7. Juni geimpft werden. Doch ist das sinnvoll?  imago/Eibner

Mit der Zulassung durch die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) dürfen ab dem 7. Juni in Deutschland auch Kinder von zwölf bis 15 Jahren mit dem Biontech-Serum gegen Corona geimpft werden. Doch die Empfehlung der deutschen Impfkommission (Stiko) steht noch aus.

Und sehr wahrscheinlich wird sie sich mangels Daten über mögliche Nebenwirkungen, die Verträglichkeit und Wirksamkeit der Präparate dafür aussprechen, zunächst nur chronisch kranken Kindern eine Impfung anzubieten. Was Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bis zum Schuljahresbeginn auch unbedingt durchsetzen will – auch wenn das eigentliche große Ziel ist, bundesweit alle Schüler bis dahin durchzuimpfen.

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Kinder impfen – ja oder nein? Eltern sind oft ratlos, Familien gespalten. Laut einer Civey-Umfrage für die Augsburger Allgemeine will mit 51 Prozent nur rund die Hälfte der befragten Familien ihre Kinder impfen lassen, 40 Prozent lehnten dies ab. Wie sinnvoll sind Impfungen für Kinder überhaupt? Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wie gefährdet sind Kinder durch das Coronavirus?

Kinder erkranken deutlich seltener als Erwachsene an Covid-19 – wenn, können auch sie vereinzelt schwere Verläufe entwickeln. Bis 23. Mai sind nach Daten der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie knapp 1550 Kinder und Jugendliche mit Covid-19 ins Krankenhaus gekommen, davon waren 37 Prozent jünger als ein Jahr.

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Rund fünf Prozent dieser Kinder und Jugendlichen wurden auf einer Intensivstation behandelt, 0,3 Prozent starben an Covid-19. Angenommen wird, dass ein erheblicher Teil der Infektionen ohne oder nur mit milden Krankheitsanzeichen verläuft.

Doch auch jüngere Menschen können das Virus weitergeben. Einer Studie unter Leitung des Charité-Virologen Christian Drosten nach sind sie ähnlich ansteckend wie Erwachsene.

Welche Spätfolgen von Covid sind bei Kindern bekannt?

Spätfolgen (Long Covid oder Post Covid) werden auch bei Minderjährigen beobachtet. Zur Dauer und Häufigkeit ist aber noch vieles unklar. Was Medizinern zusätzlich Sorgen macht, sind zunehmende Fallzahlen des PIMS-Syndroms (pädiatrisches Multisystem-Inflammationssyndrom). Zwei bis vier Wochen nach der Corona-Infektion erkranken Kinder an diesem „Entzündungssturm“ im Körper, der Organsysteme so schwer treffen kann, dass Erkrankte auf der Intensivstation versorgt werden müssen. Die genaue Datenlage ist aber auch hier noch unklar.

Was ist über Risiken einer Impfung bekannt?

Dass die Impfstoffe bei Erwachsenen gut wirken, heißt nicht automatisch, dass sie auch bei Kindern und Jugendlichen ebenso sicher und verträglich sind. Sie sind biologisch gesehen keine kleinen Erwachsenen. Es reicht nicht, eine Impfdosis einfach an ihre Körpergröße oder ihr Körpergewicht anzupassen. Für jedes Medikament sind grundsätzlich eigene Studien in der jungen Altersgruppe nötig – und an denen fehlt es nach Ansicht einiger Experten noch.

Gibt es überhaupt genügend Impfstoff?

Für die Impfkampagne von Kindern und Jugendlichen gibt es keinen zusätzlichen Impfstoff. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe „hier unrealistische Erwartungen geweckt“, kritisierte Familienministerin Christine Lambrecht (SPD). Spahn hatte vorgeschlagen, Biontech-Dosen für Schüler zu reservieren.

Trotzdem soll nach dem Willen der Bundesregierung auch Kindern bis Ende des Sommers eine Impfung angeboten werden. Intensivmediziner kritisieren das und mahnen, der immer noch knappe Impfstoff solle Erwachsenen vorbehalten sein, die ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe hätten.

Wo kann ich mein Kind impfen lassen?

Das Impfen soll nach Plänen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowohl in den Impfzentren als auch in den Arztpraxen und sogar als Reihenimpfung in den Schulen möglich sein.

Was ist mit Kindern unter 12 Jahren?

Für diese Gruppe wird frühestens Ende des Jahres mit einem Impfstoff gerechnet. Die US-Firma Moderna testet ihr Serum bereits an Kindern im Alter von sechs Monaten bis zwölf Jahren, ebenso Biontech. Die Mainzer wollen Anfang 2022 damit auf den Markt.

Muss ich mein Kind impfen?

Nein, das Prinzip der Freiwilligkeit soll auch bei Kindern und Jugendlichen nicht angetastet werden. Ethikratsmitglied Andreas Lob-Hüdepohl allerdings findet, dass auch Minderjährige eine Verantwortung für die Gesellschaft tragen, und könnte sich deshalb eine Impfpflicht für Schüler vorstellen.