Kevin Kühnert am Morgen nach der Wahlniederlage in NRW. imago/Frederic Kern

Das ging schnell. SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert, bis vor wenigen Monaten Bezirksverordneter im Berliner Bezirk  Tempelhof-Schöneberg, hat nach der vergeigten Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen von „der Welt da draußen“ gesprochen.

Man mag es für kleinkariert halten, aber bei dem dank langer Parteikarriere im Politik-Sprech geschulten Kühnert klingt das deutlich danach, dass „die Welt da draußen“, die er als Bezirkspolitiker aus dem Effeff kennen müsste, eben nicht mehr seine Welt ist.

Kühnert beklagt, dass „die Fragen des Alltags“ im Wahlkampf von NRW zu kurz gekommen seien. Da muss er sich fragen lassen, warum sein Gedächtnis auch zu kurz ist. Wie anders als mit Vergesslichkeit ist es erklärlich, dass ein langjähriger Bezirksverordneter  als Mitverantwortlicher eines wichtigen Wahlkampfs diese „Fragen des Alltags“ aus den Augen verlieren konnte?

Mit tiefschürfenden Analysen, was den bei der Wahl für die SPD schiefgegangen ist, kann sich Kühnert allerdings nicht aufhalten. Er muss sich jetzt in die Schlacht stürzen, um den Bundeskanzler Olaf Scholz zu verteidigen.

Das erscheint bitter nötig. „Eher schwach“ und „wenig entscheidungsfreudig“ werde Scholz wahrgenommen, findet ein Politologe aus Nordrhein-Westfalen, und der Spitzenkandidat Thomas Kutschaty habe den Fehler gemacht, den Kanzler als Wahlhelfer einzuladen.

Die Zahl der Analysten auch aus der Wissenschaft, die dem Kanzler Mitverantwortung für die Niederlage zuschreiben, wächst. Die CDU mit Friedrich Merz, aber insgeheim auch die Grünen dürfen sich die Hände reiben und Salz in die Wunden der SPD.

Die muss sich wappnen, denn wenn es Schwarz-Grün in NRW gibt, wird es nicht lustig für die Ampel in Berlin.