Ein Rettungsschiff aus Dover nahm eine Gruppe Flüchtlinge an Bord. PA Wire/dpa/Gareth Fuller

Vor der französischen Hafenstadt Calais ertranken mindestens 27 Menschen, als ihr Boot auf dem Weg nach Großbritannien im Ärmelkanal kenterte. Zwei Migranten konnten gerettet werden. Helfer auf der Suche nach Überlebenden nahmen weitere Flüchtlinge auf, deren Boote trotz relativ ruhiger See in Seenot geraten waren.

Großbritannien hat nach der Katastrophe angekündigt, härter gegen Schleuser vorgehen. Das sei nicht Aufgabe von Frankreich allein, erklärte Innen-Staatssekretär Kevin Foster. „Wir sind bereit, Unterstützung auf dem Boden zu bieten. Wir sind bereit, Personal zu schicken und den französischen Behörden zu helfen.“ Zuvor hatte Premierminister Boris Johnson gemeinsame Patrouillen an der französischen Küste gefordert.

Fünf Schleuser in Frankreich festgenommen

Großbritannien hat Frankreich wiederholt vorgeworfen, zu wenig zu tun, um die Überfahrten zu verhindern. In diesem Jahr sind bereits etwa 26.000 Migranten aus Frankreich an der englischen Küste angekommen, dreimal so viele wie im gesamten Vorjahr.

Nach dem Unglück wurden fünf mutmaßliche Schleuser in Frankreich festgenommen. Die Staatsanwaltschaft in Dünkirchen nahm Ermittlungen wegen „besonders schweren Totschlags“ auf. „Der Ärmelkanal wird allmählich zu einem Friedhof, so wie das Mittelmeer“, sagte Pierre Roques von der Hilfsorganisation L’Auberge des Migrants.

Einer der Festgenommenen hatte ein Fahrzeug mit deutschen Kennzeichen. Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin: „Er hat diese Schlauchboote in Deutschland gekauft.“ Häufig würden Schleuser Boote für den Ärmelkanal in der Bundesrepublik kaufen, in bar zahlen.

Erst vor einer Woche hatte die niederländische Polizei einen aus Deutschland kommenden mutmaßlichen Schleuser gestoppt.